Full text: Die Entwickelung zum Socialismus

die Scheidung von Grundbesitzern, Pächtern und länd 
lichen Arbeitern — ist die Ausbeutung der Arbeiter im 
grossen und ganzen weniger excessiv, als in den Ländern 
mit Kleinbetrieb, in denen der Pächter in Wriklichkeit 
nur ein auf das Existenzminimum gesetzter Parzellen 
arbeiter ist. 
Es kann uns genügen, dafür das gewiss unverdächtige 
Zeugnis von Paul Leroy-Beaulieu anzurufen: „Die Zer 
schlagung der Domainen in ganz kleine Lose wie in einigen 
sehr dicht bevölkerten Landstrichen, in Flandern und in 
der Terra di lavoro im Königreich Neapel oder auch 
dort, wo eine notleidende Bevölkerung sitzt, wie in Irland, 
kann den Besitzern vorteilhaft sein; aber andererseits 
bringt sie doch oft sociale Uebel mit sich und auch 
wirtschaftliche Nachteile. Die starke Concurrenz der 
kleinen Pächter treibt in normalen Zeiten den Pachtpreis 
stark in die Höhe; der Besitzer, der so eine leichte und 
in Zeiten der Prosperität immer steigende Rente findet, ver 
liert das Interesse an seinen Grund und Boden. In diesem 
besonderen Falle beruhen die hohen Pachterträge auf dem 
Elend und der weitestgetriebenen Bedürfniseinschränkung 
der Pächter. Einige englische Schriftsteller haben dem 
System den Namen Concurrenzpachtungen gegeben.“*) 
Wenn wir einmal annehmen, was Sering in seiner 
Kritik der Kautskyschen Agrarfrage nachweisen will,**) 
dass nämlich der Fortschritt der intensiven Cultur im 
allgemeinen zu einer Vermehrung der kleinen und mitt 
leren Unternehmungen führt — was wir später noch 
untersuchen werden — so würde sich daraus immer noch 
nicht ergeben, dass die Ausbeutung der ländlichen Ar 
beiter weniger stark und weniger ungerechtfertigt sei. Was 
aber schon jetzt als nachgewiesen gelten kann, das ist die 
*) Leroy-Beaulieu: Traité théorique et pratique 
d’économie politique (Paris, Guillaumin, 1896) II. Teil, pag. 24. 
**) Sering: Die Agrarfrage und der Socialismus. 
(Schmollers Jahrbuch, 1899.)
	        
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