fullscreen: Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 2)

360 Sechzehntes Buch. Drittes Kapitel. 
eine der größten niederländischen Emigrantengemeinden bestand, 
und im Süden an die Pfalz, von wo aus eifrige Emissäre am 
Niederrhein wie in den Niederlanden zu predigen pflegten. Und 
bald kam es auf dieser Grundlage zu einer festen Organisation. 
Im Herbst des Jahres 1571 wurden die neuen Gemeinden auf 
der Synode von Emden in das große Verfassungssystem der 
calvinischen Kirche der Niederlande, Englands und Westdeutsch— 
lands eingefügt; sie bildeten darin die Quartiere Köln und 
Wesel. 
Natürlich wirkten die Katholiken diesen Fortschritten ent— 
gegen. Aber es geschah lässig. Die Edikte des Herzogs von 
Jülich-Cleve wurden nicht beachtet, der Ketzereifer des Kölner 
Rats erkaltete, sobald sich her ausstellte, daß unter den religiösen 
Verfolgungen der Handel der Stadt mit den Niederlanden zu 
leiden begann. In Achen aber machte das Evangelium solche 
Fortschritte, daß es politisch wirksam werden konnte; 1574 
kamen die ersten Protestanten in den Rat; sechs Jahre darauf 
war seine Mehrheit protestantisch, und Calvinische wie Lutherische 
konnten die Bitte an ihn richten, ihnen öffentliche Religions— 
übung zu gestatten. 
Aber nun wandten sich die Katholiken der Stadt um Hilfe 
an Jülich-Cleve, an Lüttich und vor allem an den Kaiser. Die 
Achener Angelegenheit wurde damit zur Reichssache und zu einem 
wichtigen Moment der allgemeinen Bestrebungen katholischer 
und protestantischer Mächte im Reiche. 
Kaiser Rudolf II. verfügte die Absetzung des protestantischen 
Rates. Allein als die kaiserlichen Kommissare in Achen vorgehen 
wollten, kam es zum Aufruhr; und der Rat blieb. Darauf 
ergriff der Herzog von Jülich eigenmächtig feindliche Maßregeln 
gegen die Stadt; von den Niederlanden her schob der Herzog 
von Parma unter Verletzung des Reichsfriedens Truppen gegen 
sie vor; die protestantischen Stände gerieten überall in 
Erregung; der Handel wurde zur großen Sache im Reiche: 
kein Zweifel, daß er auf jenem Reichstage zu Augsburg eine 
Rolle spielen würde, den der Kaiser nach langer Pause wegen 
einer Türkensteuer zum Jahre 1582 berufen mußte.
	        
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