Full text: Fortschritt und Armut

Kap. I. 
Verbindung der Verteilungsgesetze. 
sind, so muß die Vereinbarung, welche die Beteiligung eines derselben 
am Gewinn festsetzt, gleichzeitig entweder die einzelne oder die gemein 
schaftliche Beteiligung der beiden anderen festsetzen, wird Thomas' 
Anteil auf 40 Prozent festgestellt, so bleiben so Prozent zur Verteilung 
zwischen Richard und Heinrich übrig, wird Richards Anteil auf 40 Pro 
zent und Heinrichs Anteil auf 35 Prozent gesetzt, so wird dadurch Thomas 
Anteil auf 25 Prozent bestimmt. 
Unter den Gesetzen der Güterverteilung, wie sie in den Büchern 
der herrschenden Richtung aufgestellt werden, ist jedoch von keinem der 
artigen Verhältnisse die Rede. Venn wir sie herausfischen und zu 
sammenstellen, so finden wir sie, wie folgt: 
Der Lohn wird durch das Verhältnis zwischen dem der Zahlung 
und Erhaltung von Arbeitskräften gewidmeten Kapitalbetrage und der 
Anzahl beschäftungsuchender Arbeiter bestimmt. 
Die Grundrente wird durch den Gewinn der Bebauung bestimmt; 
alle Ländereien liefern als Grundrente den Teil ihres Produkts, der das 
übersteigt, was ein gleicher Aufwand von Arbeit und Kapital aus dem 
ärmsten in Benutzung befindlichen Boden verschaffen könnte. 
Der Zinsfuß wird durch die Gleichung zwischen der Nachfrage 
der Borgenden und dem Kapitalangebote der Darleihenden bestimmt. 
Als Gesetz des Gewinnes wird angegeben, der Gewinn werde durch 
die Löhne bestimmt, er falle, wenn die Löhne steigen, und steige, wenn 
die Löhne fallen, oder um Mills Redewendung zu gebrauchen, der 
Gewinn werde durch den Preis bestimmt, welchen die Arbeit dem 
Kapitalisten kostet. 
Die Nebeneinanderstellung dieser gebräuchlichsten Erklärungen der 
Verteilungsgesetze zeigt sofort, daß sie der Wechselbeziehung ermangeln, 
welche die wahren Verteilungsgesetze besitzen müssen. Sie greifen 
weder ineinander, noch wirken sie zusammen. Somit sind wenigstens 
Zwei dieser drei Gesetze falsch aufgefaßt oder falsch dargestellt. Dies 
stimmt mit dem, was wir schon gesehen haben, daß nämlich die herr 
schende Auffassung des Lohngesetzes und folglich auch des Gesetzes vom 
Zinsfuß die Prüfung nicht besteht, wir müssen somit die wahren Gesetze 
der Verteilung des Arbeitsproduktes in Lohn, Grundrente und Zins 
aufsuchen. Der Beweis, daß wir sie gefunden, wird in ihrem Ineinander 
greifen liegen, darin, daß sie einander begegnen, in Wechselwirkung 
stehen und einander gegenseitig begrenzen. 
Mit dem Gewinn hat diese Untersuchung offenbar nichts zu tun. 
V)ir wollen ermitteln, welche Umstände die Verteilung des gemein 
schaftlichen Produktes unter den Grund und Boden, die Arbeit und das 
Kapital bestimmen, und Gewinn ist kein Ausdruck, der ausschließlich 
einen dieser drei Teile betrifft, von den drei Teilen, in welche der 
Gewinn durch die Nationalökonomie zerlegt wird — nämlich: Vergütung 
^ür Risiko, Lohn für Aufsicht und Ertrag für die Kapitalnutzung —, 
sällt der letztere unter den Ausdruck Zins, der alle Erträge der Kapital- 
George, Fortschritt und Armut. 9
	        
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