6. Titel: Dienftvertrag. SS 615. 1025
Wirkungen. ” N N
\ Hat der Dienftverpflichtete jeine Dienftleiftung angeboten (S$ 293 BOB.) fo
fann er, wenn die NMichtleiftung feiner Dienite nur eine Zolge des AUn-
nahmeberzugs ift, die vereinbarte Vergütung nah Umfang und Urt
(hei Maturalleiftungen mag ent{predhenden Jalle3S Erjaß in Geld
He De werden, wenn ohne Dienitannahme die Naturalleiltung nicht durch-
jührbar wäre, vgl. hierüber Bem. V, b zu 8 611) verlangen, ohne zur Nach-
(eiftung derjenigen Dienfte verpflichtet zu fein, weldhe infolge und auf
die Dauer des Annahmeverzug3 entfallen.
Eine völlige Aufhebung des Vertrags tIritt aber auf @rund des
3 615 nicht ein. (In M. Il, 462 ift zu dem im wefentlidhen gleidhen Sabe
in & I 8 561 bemerft, e8 fei abfichtlich vermieden, auszufprechen, Daß bei
Annahmeverzug die Dienftleiltung erfolgt fei oder als bewirkt gelte.) Wird
der Verzug geheilt, Io bleibt auch der Dienftleiftende für die Zukunit
(eiftungSpflichtig. Liegt ein anderer Vertrags aufhebungSgrund vor, fo ift
diejer durch $ 615 an {ich nicht au8gefchloffen. Wal. ferner Lotmar Bd. 2 S. 304.
Der Dienliverpflichtete {ft übrigens nicht gezwungen („kann verlangen“), den
Verzug nach 5 615 geltend zu machen; er kann auch bei feinen anderen
Yecht3behelfen ftehen bleiben, vgl. z. 5. S 301 (Erjaß der Mehrauft-
mendungen), oder ScdhadenzZerjaßanfiprücdhe geltend machen oder
auch den Unfpruch auf die vertragSsmäßige Grant ann erheben
“vgl. hierüber David, Recht 1902 S. 146 ff.) nach Maßgabe des allgemeinen
3 324, der auch hier gilt; zur Erhaltung des Legteren Anipruchs it
3. B. bei unrechtmöäßiger Kündigung) ein befonderes Anerbieten der
Dienite feiten8 des Dienitverpflichteten nicht erforderlich, val. David a. a. D.,
Kuld a. a. O., Decker a. a. ©. S. 13, Bonn a. a. OD. S. 8 und 9, Meyer,
D. Jur.3. 1906 S. 531 ff, Ripr. d. DOLG®. Marienwerder), Bd. 5 S. 32,
Bd. 10 (Kaflel} S. 179, Seuff. Arch. Bd. 60 Nr. 104, Recht 1905 S. 78, echt 1906
S. 617, Staub, Komm. zu 8 70 SOB. Anm. 4 und 12; a. M. aber Mipr.
5. DLG, (Kammergericht) Bd. 7 S. 472, fowie Fieberg in D. Yur.Z. 1904
S. 483 ff, 9ijpr. d. DLG. (Kaffel) Bd. 10 S. 179, Seuff. Arch. Bd. 59
dir. 91; wie hier dagegen auch Römer in D. Kur.3. 1903 S. 340, der hiebei
mit Necht auch auf den vom Reichsgericht (Bd. 51 S. 347) zu S 326 einge:
nommenen Standpunkt Bezug nimmt, wonach der Schuldner, der bereits
bündig erflärt Hat, daß er nicht (oder nicht weiter) feinerfeit8 leiften wolle,
damit auch auf weitere Mahnung und Inverzugfekung verzichtet; e8 beftebt
aber bei Anwendung des S 324 die gleiche AnredhHnungsSpflicht, wie
nach S 615, vgl. hierüber unten Bem. 4 und die Bem. zu 8 324, fjowie auch
ROE. in Sur. Wichr. 1909 S. 722 Nr. 12. Vgl. ferner Bonn a. a. ©. S.8
und 9, Sigel a. a. DO. S. 76 Anm, 32 und S 51, Yipr. d. OLG. (Darm-
itadf) Bd. 12 S. 268, (Rammerger.) Bd. 17 S. 404 ROES, in Warneyer CErg.-DBd.
1909 9r. 286 Gei Unterbrechung des Dienftverbältnifie8), Lotmar a. a. OD.
Bb. 2 S. 286, 290, . .
. Neber die m ob {ich der Dienftverpflidhtete noh zur Vers
jügun A des Dienitberechtigten halten muß, vgl. Bem. d. .
Dem ien{tberedhtigten {tebt an jiH das Recht der purgatio
morae während der ganzen Vertragszeit noch offen. Er kann fih dem
Dienftverpflidhteten gegenüber zur Unnahmeder Dienite bereit
erflären und damit, wenigften8 für die Zukunft, die Folgen des 8 615
befeitigen. Der Dienftverpflidhtete muß ih daher zur Verfügung halten.
Eine Xu8nahme wird aber immer dann zu machen fein, wenn der Dienft-
berechtigte dem Arbeiter geradezu entlaffen hat und damit bejtimmt zu
erfennen gab, daß er mit ihm nicht8 weiter zu tun haben wolle,
Jo mit Recht Dertmann Bem. 2, c, «) oder fall8 man fonfit dem Dienft-
verpflichteten billigermeife die Fortjebung nicht zumuten ann (er ift 3. B.
vom Arbeitgeber in gröblicher Weife mißhandelt worden). Val. über die
verfchiedenen Meinungen Sigel S. 80, Dertmann a. a. DO. und in
Bem. 2, b zu & 293, Deder S. 14, Bonn S, 8, Gem.-Ger. Bd. 10 S. 85,
Apr. d. DLG. Bd. 12 S. 268, Necht 1906 S. 617, bad. Ripr. 1906 S. 321,
Hrieberg, D. u 1904 S. 483 ff., Staub zu 8 70 GGOB. Ann. 12, Lot-
° mar a. a. ©. Bd. 2 S. 290, 301 ff.
3. Verhältnis zu S 614:
Modi Dur $ 615 enthält die BorleifltungSpflicdht des S 614 eine Telbftverftändliche
Odifikation. Die SED nach S 615 Iann der Berechtigte nicht mit Berufung
auf $ 614 ablehnen. Einem folchen Begehren oder dem Anfordern einer Nachleiftung
Staudinger, BOB. Mb (Sceuldverbältniife. Kober: Dienftvertrag). 5/6. Aufl. 65
3)