Die Handelspolitik und Handelsbilanz Österreich-Ungarns. H
Tatsache zum Ausdruck, daß sich die Getreideproduktion Öster
reich-Ungarns trotz der hohen Preise nur langsam, und zwar
langsamer als die Bevölkerung und der Konsum, entwickelt.
Unsere Viehausfuhr war im Jahre 1910 um 40 Millionen Kronen
geringer als im Jahre 1900 und ist im Jahre 1911 bis zum
1. November gegenüber dem Vorjahre um weitere 47 Millionen
gesunken. Der Import von Kohlen war im Jahre 1910 um 60,
die Ausfuhr nur um 5 Millionen Kronen größer als im Jahre
1900. Dies ist, da unsere Kohlenlager noch lange nicht voll aus
genützt werden und Feierschichten nicht selten sind, kein Zeichen
günstiger Verhältnisse unseres Bergbaues.
Unser Außenhandel in Fabrikaten hat sich in folgender
Weise gestaltet:
Halbfabrikate
Ganzfabrikate
Zusammen
Aktivum
Einfuhr
Ausfuhr
Einfuhr
Ausfuhr
Einfuhr
Ausfuhr
Millionen Kronen
1900
231
303
468
820
699
1123
424
1901
231
269
449
797
680
1066
386
1902
249
268
468
786
717
1054
337
1903
256
299
517
894
773
1193
420
1904
257
314
540
914
796
1228
431
1905
255
333
593
999
848
1332
484
1906
423
420
628
1090
1051
1510
459
1907
464
439
643
1125
1107
1564
457
1908
434
389
672
1009
1106
1398
292
1909
435
406
707
1037
1142
1443
301
1910
476
435
795
1113
1271
1548
277
Der Export von Industrieartikeln zeigt eine an und für sich
beträchtliche Steigerung um 425 Millionen Kronen, d. i. fast
38o/ 0 . Gleichzeitig ist jedoch der Import um 572 Millionen Kronen,
d. i. um mehr als 80%, gestiegen. Die industrielle Bilanz war
vor 10 Jahren mit 424, im letzten Jahre aber nur mit 277 Mil
lionen aktiv.
Von größter Bedeutung für unsere Industriebilanz ist der
Zuckerexport, der zwar der Menge nach nicht wesentlich größer
geworden ist, infolge der Wertsteigerung aber im Jahre 1910
241 Millionen, d. i. um 54 Millionen mehr als im Jahre 1900,
einbrachte. 3 ) Der Verkehr in Textilwaren umfaßte im Jahre 1910
*) Die Zuckerausfuhr betrug in den Jahren 1900 bis 1910 — mit Ausnahme
des hier und in den folgenden Anmerkungen ausgeschiedenen Jahres 1906, in dem