fullscreen: Schragen der Gilden und Aemter der Stadt Riga bis 1621

20g Die gewerblichen Zustände im i8. Jahrhundert. 
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einmal einzuschreiten und die übertriebenen Anforderungen der 
Handwerker auf ein zulässiges Maass zurückzuführen sich veran 
lasst sah h Eigensinnig, wie die Tischler waren, beruhigten sie 
sich bei dieser zweckmässigen Regelung nicht, sondern wandten 
sich beschwerdeführend an den Generalgouverneur, von dem sie 
freilich nichts als eine die Entscheidung des Dorpater Raths bestä 
tigende Resolution erzielten % Gegen die rigischen, revalschen 
und narwaschen Knochenhauer wollten die dörptschen das Monopo 
des Viehkaufs im Dorpater Kreise behaupten. Dann verklage^ 
die Bäcker einen Koch, der Torten gebacken hat, und die grosse 
Gilde processirt mit dem Rathe darüber, ob die Buchbinder, 
übrigens kein Amt gebildet zu haben scheinen, oder deren Schräge: 
sich nicht erhalten hat®, zur grossen oder zur kleinen Gilde g^ 
hören. Auch mit den Kaufleuten geriethen die Handwerker anein 
ander, da diese ihnen den Bezug der Rohstoffe von auswärts nich^ 
zugestehen wollten. So verklagten im Jahre 173^ Kaufleute d 
Hutmacher Vogel, weil er sich Vitriol von auswärts hatte kommen 
lassen. Doch entschied die Gouvernements-Regierung zu Gunsten 
der Handwerker. Eine rein formale Amtsangelegenheit beschäftigt® 
im Jahre 1745 die Schneider, die mit ihren Gesellen einen lang^ 
wierigen Process darüber begannen, ob diese schuldig wären ‘ 
bei der Meisterlade sitzenden Meister abzuholen. Ein Schlosset' 
der es gewagt hatte einen undeutschen Jungen in die Lehre 
nehmen, gerieth mit seinem Amte in einen weitläufigen Rec|^^ 
handel, der endlich durch einen Vergleich geschlichtet wurde. 
Schmiede verlangten von einem Kleinuhrmacher, dass er bei ihn^^ 
das Meisterrecht gewinnen sollte“*. Kurz diese Reibungen 
Streitigkeiten rissen nicht ab. 
Bei alledem hatten diese eigennützigen Bestrebungen fur ^ 
Kläger und Beschwerdeführer nur selten ein erfreuliches Ergebms^| 
Der kleinliche Geist, der dem Anderen den mageren Verdien 
nicht gönnte, der auf Erlangung von Privilegien und Monopo^^ 
bedacht war, der seine beste Zeit in Processen und Händeln 
geudete, bewirkte doch nicht, dass der Wohlstand der Handwer' 
1 Schoeler, S. 218—222. 
2 Schoeler, S. 222 — 224. 
3 Schoelers Sammlung hat nur einen aus dem Jahre 1818, in welchem 
von einem älteren gesagt ist. 
4 Dorpater Kalender 1866 u. 67. Inland 1857, S. 162.
	        
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