Object: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Phosphor 
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Phosphor 
röhren, aus denen man die nach dem Entstellen 
in kaltes Wasser erstarrte Masse herausstößt. 
Zur elektrolytischen Gewinnung werden natür 
liche Phosphate, mit Kohle und Quarz gemischt, 
im elektrischen Ofen reduziert. Der P. tritt in 
drei allotropen Modifikationen auf. i. Der 
gewöhnliche, farblose, giftige P., die nach 
vorstehendem Verfahren dargestellte offizinelle 
Modifikation, bildet im frischen Zustande eine 
weiße bis gelblichweiße durchscheinende Masse, 
die bei mittlerer Temperatur wachsartige Kon 
sistenz besitzt, in der Kälte dagegen brüchig ist 
und unter Wasser .bei 44 0 zu einer farblosen 
Flüssigkeit schmilzt. Das spez. Gew. beträgt 1,83 
bei io°. An der Luft stößt er einen weißen 
Rauch unter Verbreitung eines knoblauchartigen 
Geruchs aus und erwärmt sich dabei oft bis zur 
Selbstentflammung. Beim Erhitzen an der Luft 
schmilzt er zunächst bei 44 0 , um bei 6o° mit blen 
dend weißem Licht zu Phosphorsäureanhydrid zu 
verbrennen. Unter Luftabschluß destilliert er 
bei 290 0 unzersetzt über. Von seiner Eigenschaft, 
im Dunkeln zu leuchten, hat der P. seinen aus 
dem griechischen phosphoros (Lichtträger) ab 
geleiteten Namen erhalten. Wegen der leichten 
Entzündlichkeit ist beim Arbeiten mit P. größte 
Vorsicht geboten. Das Zerschneiden und Zer 
kleinern muß stets unter Wasser geschehen. 
Schon die Wärme der Hand oder geringe Rei 
bung genügt zur Entflammung, und die klein 
sten Stücke erzeugen gefährliche Brandwunden, 
da zu der Hitzewirkung noch die ätzenden Eigen 
schaften der Phosphorsäure .und die blutvergif 
tenden des P. selbst hinzutreten. In Wasser ist 
P. kaum löslich, wird aber von fetten und flüchti 
gen Ölen, Äther, Alkohol, Chloroform und Schwefel 
kohlenstoff leicht gelöst. Wasser, in dem er län 
gere Zeit gelegen hat, riecht und schmeckt nach P. 
und leuchtet im Dunkeln. Die Eigenschaft, dem 
inneren Kegel der Wasserstoffflamme eine leb 
haft grüne Farbe zu verleihen, dient zum Nach 
weise des P. in Vergiftungsfällen. Der P. muß 
vor Licht und Luft geschützt aufbewahrt werden, 
da er sonst bald einen gelblichweißen Überzug 
von amorphem P. bekommt und undurchsichtig 
wird. Am direkten Sonnenlicht nimmt P. eine 
schöne rote Farbe an und geht nach und nach 
vollständig in die amorphe Modifikation über. 
Zu Sauerstoff, Schwefel .und den Halogenen zeigt 
er große Verwandtschaft, zersetzt Metallsalzlö 
sungen unter Abscheidung von Phosphormetallen 
und wird durch Salpetersäure und Königswasser 
in der Wärme zu Phosphorsäure gelöst. Der 
gewöhnliche Phosphor gehört zu den heftigsten 
Gif tön und vermag bei einzelnen Personen schon 
in Menge von 4 mg Schmerzen, in Menge von 
80 mg den Tod herbeizuführen. Selbst das Ein 
atmen der Dämpfe ist höchst schädlich und er 
zeugt die Phosphornekrose, unter der die Ar 
beiter der Phosphorfabriken zu leiden haben. Als 
Gegenmittel dienen .Kupfersulfat und altes, ver 
harztes Terpentinöl, während Alkalien und Fette 
zu vermeiden sind. In den Handel gelangt der 
P. in mit Wasser gefüllten, verlöteten,Blechkästen 
und zwar meist in Gestalt fingerdicker Stangen 
oder für den Großhandel auch in Form mehrere 
Kilogramm schwerer Kegel. Ein oft vorhande 
ner schwärzlicher Metallüberzug kann durch Ab 
waschen mit S°/oiger Salpetersäure entfernt werden. 
Für den Bahntransport müssen die höchstens 
6 kg fassenden Blechgefäße gut verlötet und 
zwischen Sägemehl in starke Kisten mit grauer 
Leinwandhülle, zwei starken Flandhaben und der 
Aufschrift „Phosphor enthaltend“ und „oben“ 
verpackt werden. Das Gewicht der Kisten darf 
75 kg nicht übersteigen. Um das Einfrieren zu 
verhüten, wird das Wasser mit Spiritus oder 
Glyzerin gemischt. Zur Aufbewahrung nimmt 
man am besten starke weithalsige Flaschen;, die 
von feuchtem Sand umgeben in starkwandigen 
Blechbüchsen stehen und in einen Schrank im 
Keller oder besser in eine Mauernische mit eiser 
ner Tür eingeschlossen werden. — Der größte 
Teil des P. wird zur Herstellung von Zündwaren 
(s.d.) verbraucht. In Form von Phosphorlat 
werge (Phosphorteig) oder von Phosphor 
pillen aus einem Gemenge von P. mit Mehlteig 
dient er als Ratten- und Mäusegift, eine wei 
tere nicht unbeträchtliche Menge wird in der 
Metallurgie zur Herstellung von P.-Bronze benutzt. 
Die Medizin verwendet ihn in Form von Pillen 
oder Lösungen (Phosphorlebertran) gegen Kno- 
chenefkrankungen und .Schwächezustände, aber 
mit größter Vorsicht, da 1 mg höchste Einzelgabe 
ist. Der Nachweis in Vergiftungsfällen stützt 
sich auf die Eigenschaft phosphorhaltiger Spei 
sen, Leichenteile u, dgl. nach P. zu riechen und 
beim Umrühren im Dunkeln zu leuchten, und 
wird mit Sicherheit nach dem Verfahren von 
Mitscherlich durch Destillation im Dunkel 
zimmer oder von Dusart-Blondlot durch die 
Grünfärbung der Wasserstöffflamme geführt. — 
2. Der rote oder amorphe P. entsteht bei der 
Einwirkung des Sonnenlichts auf weißen P., wo 
bei nach den Untersuchungen Schrötters eine 
andere Modifikation gebildet y'ird. Zur Dar 
stellung im großen erhitzt man gewöhnlichen P, 
in eisernen, mit Deckeln verschlossenen Kesseln 
auf 250—260°, befreit das unter Wasser zer 
riebene amorphe Reaktionsprodukt durch Kochen 
mit Natronlauge oder Extraktion mit Schwefel 
kohlenstoff von Resten unveränderten weißen P., 
wäscht mit Wasser und trocknet. Der amorphe 
P. bildet ein rotbraunes, scheinbar amorphes, tat 
sächlich aber mikrokristallinisches Pulver oder 
derbe rotbraune, oft metallisch glänzende Stücke 
von muscheligem Bruche. Die völlig geruch- 
und geschmacklose Masse hat das spez. Gew. 
2,19, löst sich nicht in Schwefelkohlenstoff und 
den anderen Lösungsmitteln des weißen P. und 
ist nicht giftig. Diese Modifikation hält sich 
am Licht unverändert, leuchtet nicht im Dunkeln, 
wird durch Druck oder Reibung nicht entzündet 
und läßt sich also ohne jede Gefahr versenden. 
Beim Erhitzen an der Luft entzündet sich der rote 
P. erst gegen 260°, während er unter Luftab 
schluß bei der gleichen Temperatur wieder in 
den gewöhnlichen P. übergeht. Kleine Mengen 
des letzteren sind in der Handelsware meist vor 
handen und verleihen ihr infolge der Oxydation 
eine saure Reaktion. Ein Teil des roten P. wird 
zu chemischen Präparaten, besonders zu Jod 
phosphor für das in der Teerfarbenindustrie ge 
brauchte Jodmethyl und -äthyl verarbeitet. Die 
Hauptmenge dient aber zur Herstellung der sog 
schwedischen Zündhölzern — 3. Der metallische 
oder rhomboedrische P., der durch andauern 
des Erhitzen von p. mit Blei in zugeschmolzenen
	        
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