fullscreen: Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

Statistik. 
keit an die Scholle das wirksamste Moment sorgfältiger Wirtschaft ist 
und am wenigsten entbehrlich sein wird. 
Wieder anders liegen die Verhältnisse bei der Parzellen wirtschaft, 
wo die intensivste Ausnutzung die Voraussetzung ist. Hier pflegen 
besondere Meliorationen zur Hebung der Ertragsfähigkeit nicht mehr 
in Betracht zu kommen. Sie sind vielmehr als bereits durchgeführt an- 
zunehmen. Die Nutzung kommt in jedem Jahre voll zur Geltung, 
Der Inhaber ist gezwungen, wenn er eine angemessene Verwertung er- 
zielen will, das Land gut zu düngen und zu bearbeiten. Schlechte Be- 
handlung des Landes ist deshalb weniger zu befürchten. Kapital in 
Gebäuden und Tnventarium ist nicht damit verbunden. Auch nach 
dieser Richtung ist eine besondere Kontrolle überflüssig. Schwierig- 
keiten bereiten nur Grenzstreitigkeiten, resp. Streitigkeiten der Nach- 
baren und die Eintreibung der Pacht, die deshalb meist pränumerando 
verlangt wird. Wir hatten schon Gelegenheit darauf aufmerksam zu 
machen, dass für den Arbeiter die Parzellenpacht vielfach erspriesslicher 
ist, als der Ankauf von Grundstücken, wodurch er mehr gebunden wird, 
und wir kommen daranf zurück. Kine Verallgemeinerung der Par- 
zellenpacht wird daher, so weit es sich nicht um reine Agrargegenden 
handelt, als bei weitem nicht so bedenklich anzusehen sein, wie die Kr- 
weiterung der Verpachtung der Bauerngüter. 
Ueber die Ausdehnung der Pacht und damit ihre Bedeutung in 
unserem Wirtschaftsleben haben wir in Deutschland jetzt gewisse ziffer- 
mässige Anhalte. Leider zeigen die grossen Abweichungen ‚der Zäh- 
lung von 1882 und 95, dass die Zahlen nur mit Vorsicht aufzuneh- 
men sind, 
Statistik der Verpachtungen im deutschen Reiche: 
Grösse der Zahl der ver- 
Betriebe pachteten Betriebe Pachtfläche 
1895 ‘ 1895 
0—2 ha 831 107 598,851 ha 
25 47 185 659894 ,, 
5—00 19 707 1024881 
20—100 ,, 9 969 960200 
100 u. darüber 4 991 2116215 
Dass bei den kleinen Stücken fast !/; des Landes verpachtet ist, 
sehen wir nach dem oben Gesagten nicht als ein Unglück an. Auch 
die Ausdehnung der Verpachtung bei den bäuerlichen Grundstücken 
ist nicht als eine ungesunde anzusehen, denn die reine Verpachtung 
im Ganzen ist nur eine Ausnahme. Wo hier Verpachtung vorkommt, 
besteht sie hauptsächlich in der Zupachtung von Teilstücken zur besse- 
ren Arrondierung der Wirtschaften. Nur vereinzelt werden bäuerliche 
Besitzungen zu grösseren Wirtschaften im Ganzen zugepachtet, wie 
das namentlich auf grossen Rübenwirtschaften geschieht, wo dann die 
Verwertung des Landes im Anschluss an die Agrarindustrie eine bessere 
ist als im Kleinbetriebe. 
Bei den grösseren Gütern ist der Prozentsatz des Pachtlandes 
ein nicht unbedeutender. Gleichwohl wird man sagen müssen, dass in 
Deutschland bei den grossen Herrschaften der Aristokratie noch viel 
zu viel Selbstadministration vorliegt und durch Erweiterung des Pacht- 
systems eine bessere Verwertung des Landes möglich wäre, Beach-
	        
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