Object: Dem Reichsverband der deutschen Volkswirte (R. D. V.) zur Feier seines 25jährigen Bestehens zu Berlin im Februar 1927 gewidmet von der Friedrich List-Gesellschaft

gen unserer Gegenwart; infolge des unglücklichen Kriegsausganges sind 
dagegen Lists koloniale und maritime Forderungen, sowie seine Gedan- 
ken über Auslandsdeutschtum und Auswanderung leider zurückgetreten. 
Während das Deutschland von Versailles dem Listschen Idealtypus einer 
autonomen Volkswirtschaft nicht mehr genügt, ist Lists wahrhaft prophe- 
tisches Bild der internationalen Wirtschaft um so mehr bestätigt worden. 
Wenige große Imperialwirtschaften stehen im Vordergrund, unter denen 
England die Wege nach Indien beherrscht, Rußland den Gegenpol zur 
nordamerikanischen Wirtschaftsmacht bildet. Für unseren Wiederaufstieg 
ist bemerkenswert, daß List unserem Vaterland zwar den Rang einer un- 
abhängigen Nationalwirtschaft, nicht aber den einer Imperialwirtschaft 
zuweist, Und wenn heute alle Welt sich industrialisieren will, auf Kosten 
unseres alten Kontinents, so geht solch Streben sogar vielfach über List 
hinaus, der nur den Großstaaten der gemäßigten Zone eine allseitige Ent- 
faltung ihrer nationalen Kräfte zugestehen wollte. Seinem Sinne ent- 
spricht es, wenn heute eine chinesische Übersetzung des „Nationalen Sy- 
stems‘“ vorbereitet wird. Aber auch der Gedanke einer „Weltwirtschafts- 
konferenz“ ist von ihm vorhergedacht, gleichwie er den Gedanken einer 
„Internationalen Sozialpolitik“ 183g bereits faßte. 
Solch reiche Schätze von nationalem und zugleich von internationalem 
Werte gilt es zu heben, getreu Lists Wahlspruch: „Et la patrie et 
l’humanite“ — der Weg zur Menschheit führt durch die Nationen. — 
Der Redner schloß mit einem Wort des Dankes an alle jetzigen und 
künftigen Förderer der Friedrich List-Gesellschaft, unter denen er nament- 
lich hervorhob: die Deutsche Notgemeinschaft, die Reichseisenbahngesell- 
schaft. die Deutsche Akademie und die Stadt Reutlingen. 
Nachrichten. 
Lists französische Preisschrift, die er im Gegensatz zum ‚Nationa- 
len System“ als „Das natürliche System der politischen 
Ökonomie‘ bezeichnet, ist im Dezember vergangenen Jahres von 
dem Bearbeiter des IV. Bandes, Dr. Artur Sommer, Heidelberg, wie- 
der aufgefunden worden. Über die Entstehung der Preisschrift und 
über ihr Aussehen berichtet Dr. Sommer in einer kurzen Abhand- 
lung, die in Schmollers Jahrbuch, Jahrgang 1926, Heft 5 erscheint. 
Wir werden unseren Mitgliedern einen Abzug zugehen lassen. In Zu- 
kunft werden alle derartigen Abhandlungen in diesen „Mitteilungen‘‘ 
zum Abdruck gelangen. 
Der ständige Ausschuß des Deutschen Landwirtschafts- 
rats hat in seiner Sitzung vom 5. Mai d. J. nach Anhörung eines 
Referats von Prof. Friedrich Lenz-Gießen beschlossen, der Friedrich 
List-Gesellschaft beizutreten und sämtliche deutsche Landwirtschafts- 
kammern von den Bestrebungen der Friedrich List-Gesellschaft zu 
unterrichten. Die Mehrzahl der deutschen Landwirtschaftskammern 
hat daraufhin ihren Beitritt erklärt.
	        
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