fullscreen: Schutz dem Arbeiter!

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Es ist sehr bezeichnend, daß gerade die gewerbliche Rhein Provinz 
mitten großen Centren der Textil-Industrie (Aachen. M. Gladbach. 
Crefeld. Elberfeld-Barmen) eine Verminderung der Kinderarbeit (im 
großen Reg.-Bezirk Düsseldorf von 327 im Jahre 1884 auf 314 resp. 
305, in Köln-Koblenz von 141 auf 62 resp. 72, in Trier-Aachen 
von 69 auf 65 resp. 57) ausweist. — Eine besonders starke Vermehrung der 
Kinderarbeit ist für den Reg.-Bezirk Minden zu constatiren. Während 
un Reg.-Bezirk Münster die Zahl der beschäftigten Kinder von 135 im 
Jahre 1886 auf 162 pro 1888 sich erhöhte, stieg sie in Minden von 1548 
auf 1688. Unö was noch mehr zu bedauern ist : die Vermehrung fällt vor allem 
auf die Cigarren-Fabrication. in welcher allein 1217 Kinder (neben 
l 129 jungen Leuten) beschäftigt wurden. „Da die Fabrikarbeit" — wie in 
dem Bericht pro 1886 constatirt wurde — „auf die jungen Kinder den nachthei 
ligsten Einfluß ausübt, so dürfte wohl zu erwägen sein, ob ein Verbot der 
Kinderarbeit oder eine weitere Kürzung der Arbeitsdauer ohne große Schädi 
gung der Industriellen und der Arbeiter durchführbar wäre." Auch in Mei 
ßen waren es 1886 hauptsächlich Textil- und Cigarren -I nd u st ri e, in 
Koblenz die Cigarren-Jndustrie, in welchen Kinder herangezogen wurden. 
Meistens sind es bestimmte Jndustrie-Centren, in welchen Kinder 
arbeit üblich ist, während andere — vielfach concurrirende — In 
dustrie-Bezirke eine solche nicht kennen. So kamen von den im Auf 
fichtsbezirk Arnsberg 1886 beschäftigten 406 Kindern (deren Zahl 
übrigens pro 1888 auf 335 gesunken ist) allein (328) 81 pCt. auf den 
Kreis Altena. Und hier wurden wieder allein in der Stadt Lüden 
scheid 234 schulpflichtige Kinder beschäftigt. Gerade die Beschränkung der 
Kinderarbeit auf bestimmte Bezirke beweist, daß dieselbe technisch und 
wirthschaftlich recht wohl entbehrt werden kaun, und daß es deshalb 
Aufgabe der Gesetzgebung ist, dort, wo die Sitte zurückgeblieben ist, 
Nachzuhelfen. Im Reg.-Bezirk Aach en allein wurden im Jahre 1875 
Uoch 550 Kinder beschäftigt, heute werden in den Reg.-Bezirken A a ch en 
und Trier zusammen nur noch 72 Kinder, die wahrscheinlich sämmt 
lich der Schule entlassen sind, beschäftigt. Warum sollte nun 
das, was in Aachen durch die Einsicht und freie Entschließung der Arbeit 
geber und den Einfluß der Schulbehörden wirklich geworden, in 
Sachsen durch Gesetz unmöglich sein? Und Aachen hat die Concurrenz 
und das schlechte Beispiel Belgiens vor Augen, während Sachsen sich 
un den benachbarten Staaten Oesterreich und der Schweiz ein gutes 
Beispiel nehmen sollte. Statt dessen exemplificirten die Handelskammern 
von Plauen und Chemnitz in ihren Eingaben an den Deutschen Reichs 
lag (1887) auf England, das schon zehnjährige Kinder beschäftige — 
von dem englischen Zehnst und en-Gesetz wollen sie dagegen nichts
	        
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