Full text : Kartelle

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so muß doch hervorgehoben werden, daß in der Kriegs- und Nachkriegszeit
 nicht ganz selten Vorschläge für eine allgemeine Zwangskartellierung
 der Industrie gemacht und zeitweise auch sehr eifrig erörtert
 worden sind. Der Kaligesetzentwurf von ı910, die vielfachen
Zwangsorganisationen der Kriegswirtschaft und vor allem auch der
infolge des Krieges ungeheuer gewachsene Finanzbedarf des Reichs
haben die Verbreitung dieser Idee sehr gefördert.
Einen Ausgangspunkt vieler einschlägiger Erörterungen bilden
einige Vorschläge, die Friedrich Naumann in seinem Buch „Mitteleuropa“!)
 gemacht hat. Er führte dort?) aus: „Die Finanzpolitik
hinter dem Kriege wird in der Hauptsache auf Staatssyndikaten mit
Arbeiterversicherung beruhen müssen. Das letztere ist ein notwendiger
 Bestandteil, ohne den die Staatssyndikate zu Organen des
Klassenstaates werden würden und ohne den man für sie keine
parlamentarischen Mehrheiten gewinnen und erhalten könnte, ..
Finanziell bedeutet das Staatssyndikat die Auflegung eines gewissen
Steuersolls auf einen Erwerbsverband, der dafür als Gegenleistung
das Recht erhält, der einzige seiner Art zu sein. Um es am Spiritussyndikat
 zu verdeutlichen, so erfindet der Staat von sich aus keine
neue Produktions- oder Fabrikationssteuer, sondern verlangt von der
Syndikatsleitung, daß sie die erforderlichen Millionen aufbringt, wie
sie es geschäftlich für richtig hält. Diesen Syndikatsumlagen haben
sich auch die Produzenten oder Verarbeiter anzufügen, die bisher
nicht zum Syndikat gehören, was ein sehr starker Antrieb zum Anschluß
 ist. Bricht nun dieses auf staatlich bevorzugter Freiwilligkeit
aufgebaute Syndikat aus irgendeinem Grunde zusammen oder wird
nicht wieder erneuert, so tritt Staatsauflage für verkaufte oder verarbeitete
 Quantitäten ein, was sehr zur Erhaltung des Syndikates
beiträgt. Die Preisbildung und die Vertriebsmethode ist Syndikatsangelegenheit,
 aber der Staat hat ein sehr einfaches Mittel gegen
Überschreitungen oder Nichtinnehaltung der Arbeitersicherungen: er
kann die Auflage ändern, wenn es als Erziehungsdruck nötig ist.
Das ist die für den Staat leichteste Art, Geld aufzubringen und gleichzeitig
 die geschäftlich biegsamste. . . Unter allen denkbaren Methoden
hat die hier angedeutete den ungeheuren Vorzug, daß sie geradezu
zur geschäftlichen und technischen Konzentration und Verbesserung
drängt. Das Selbstinteresse der Unternehmervereinigungen wird dem
Staatsinteresse dienstbar gemacht... Dieser Gedankengang‘ wird
natürlich zunächst vielfachen Widersprüchen und Bedenken begegnen,
l) Berlin 1915.
2) S. 147 ff.
            
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