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keit der einzelnen, ihre Produktion und das Angebot ihrer Waren zu mindern, heißt Auf-
hebung der Vereinzelung durch die Organisation. Die Arbeiter selbst haben dies als-
bald herausgefunden. Sie haben es weit früher entdeckt wie unsere großen Betriebe,
in denen enorme Kapitalien fixiert sind, die bei rückgehender Nachfrage zurückzuziehen
gleichfalls unmöglich ist. Lange bevor diese ihre Koalitionen schlossen, um durch An-
passen der Produktion an die Nachfrage den Preis auf der Höhe ihrer Kosten zu halten,
haben die Arbeiter ihre Organisationen zu demselben Zwecke gegründet. Lange vor
jenen modernen Theoretikern . . . haben sie gewußt, daß der Wert ihrer Arbeit von der
Menge der Beschäftigungslosen in ihrem Gewerbe bedingt wird. Unbeirrt von der Un-
fehlbarkeit der individualistischen ökonomischen Doktrin, welche ihnen die Konkurrenz
predigte, haben sie, durch eine Regelung des Angebots ihrer Arbeit, diese Beschäfti-
gungslosen zu beseitigen und den ‚„‚Grenznutzen‘‘ ihrer Arbeit zu erhöhen gesucht.
Die Mittel, mit denen die organisierten Arbeiter die Anpassung des Angebots der Arbeit
an die Nachfrage erstreben, sind verschiedene, je nachdem es sich um gelernte oder unge-
lernte Arbeiter handelt. Allen gemeinsam sind: das Streben, alle Arbeiter, welche einer
bestimmten Beschäftigung nachgehen, in ihrer Organisation zu begreifen; sodann die
Unterstützung der Arbeitslosen, um ihr Angebot vom Markte zurückzuziehen, und die
selbständige Handhabung des Nachweises von Arbeit als des Mittels, das Angebot ihrer
Ware der Nachfrage anzupassen; endlich das Streben, die Arbeitgeber zu einer plan-
mäßigen Regelung der Produktion zu vermögen, um die durch Geschäftsschwankungen
hervorgerufene Arbeitslosigkeit zu beseitigen. Die gelernten Arbeiter, wie dies die alten
englischen Gewerkvereine und in Deutschland der Buchdruckerverband zeigen, suchen
außerdem durch Beschränkung in der Lehrlingszahl einer künstlichen Erzeugung be-
schäftigungsloser gelernter Arbeiter vorzubeugen; den ungelernten Arbeitern fehlt
naturgemäß dieses Mittel: sie vor allem erstreben durch Minderung der Arbeitszeit
der Beschäftigten den Unbeschäftigten Arbeitsgelegenheit zu schaffen.“
Die S. 3 wiedergegebene Kartelldefinition von Pohle ist absichtlich so weit
gefaßt, daß auch die Gewerkschaften darunter fallen. ‚,‚Wir fassen — sagt Pohle
a. a. O. — die Kartelle als eine ganz allgemeine Erscheinung der modernen freien Ver-
kehrsgesellschaft auf. Unter unsere Definition fallen in gleicher Weise die Gewerkvereine
der Arbeiter wie die Preisverabredungen der Handwerker und die großindustriellen
Kartellorganisationen. Ich weiß zwar wohl, daß es nicht üblich ist, die Gewerkvereine
der Arbeiter als Kartelle aufzufassen, dies darf uns aber nicht hindern, anzuerkennen,
daß die Gewerkvereine der Arbeiter auf in allen wesentlichen Punkten ganz gleichen
Grundsätzen aufgebaut sind wie die Kartelle der Fabrikanten. Von beiden wird die
Politik befolgt, durch Zusammenfassung des Angebots und Einhaltung von Minimal-
preisen den Markt zu beherrschen.“
Später hat Pohle 1) noch einmal ausgeführt: „Ohne Zweifel gehören die
Arbeiterkoalitionen ebenso wie die Verbände der Unternehmer (Kartelle, Syndikate,
Konventionen usw.) ihrem Wesen nach zu der Klasse der Monopolbildungsbestrebun-
gen, — ich sage absichtlich „Bestrebungen‘“ und nicht Monopolbildungen, denn ein
vollständiges Monopol zu erlangen wird auch den bestorganisierten Unternehmer- oder
Arbeiterverbänden kaum je gelingen. Aber zwischen dem eigentlichen Monopol und dem
Zustand völlig freier Konkurrenz gibt es zahlreiche Zwischenstufen, die durch den Zu-
sammenschluß der Angehörigen eines Berufes mittels mehr oder weniger weitgehender
Einschränkung des gegenseitigen Wettbewerbes zum Zweck der Erlangung besserer
) Die gegenwärtige Krisis in der deutschen Volkswirtschaftslehre. Leipzig 1011.
S. 46
)