Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Pappelholz 
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Paraffin 
Altpapier und Holzstoff mit Mineralzusätzen. — 
Dachpappe (Stein- oder Teerpappe) end 
lich wird aus einer mit Teer gemischten Papier- 
niasse von Papierabfällen, geringem Holzstoff, 
geringsten Hadern und Kehricht hergestellt, mit 
Teer getränkt und mit Sand bestreut. — Asbest 
pappe ist aus Asbest und Holzstoff hergestellte 
Pappe, die zum Abdichten und zum Schutz vor 
Peuersgefahr vielfach verwandt wird. 
Pappelholz, das Holz der verschiedenen Arten 
von Pappeln, i. Das hellfarbige Holz der 
Schwarzpappel, Populus nigra, ist sehr 
Weich, fast schwammig und fasert leicht beim 
Bearbeiten, ist aber dem Reißen und Werfen t 
wenig unterworfen. 2. Das Holz der Silber 
pappel oder Weißpappel, Populus alba, 
ist ziemlich hellfarbig, bisweilen gelb geflammt 
und geadert, zäh, ziemlich spaltbar und sehr 
leicht, und wird zu Drechsler- und Tischler 
arbeiten benutzt. 3. Das häufig ins Bräunliche 
spielende Holz der Zitterpappel, Populus 
tremula, ist zäh und dicht, ziemlich fest und 
gut spaltbar, wirft sich wenig und läßt sich gut 
und glatt bearbeiten. Es dient zu Schnitzereien 
und Tischlerarbeiten. 4. Das Holz der italie 
nischen oder Chausseepappel, Populus 
Pyramidalis, ist hellgelblichweiß, weich, 
leicht, zäh und schwerspaltig, wirft sich nicht, 
bekommt keine Risse, steht im Trockenen gut, 
aber weniger im Nassen, und wird zur Her 
stellung von Modellen, als Blindholz für Fur- 
uierarbeiten und zum Wagenbau benutzt. 5. Das 
Holz der kanadischen Pappel, Populus 
canadensis, ist ziemlich weiß, im Alter nach 
dem Kern hin bräunlich und wie das Zitter- 
Pappelholz verwendbar. Die Ruten der italie 
nischen Pappel eignen sich ausgezeichnet zu 
Blechtwerk, Zäunen und Faschinen. 
Pappelknospen (lat. Gemmae populi, frz. 
Bourgeons de peuplier, engl. Popler buds), die 
bräunlichgelben, spitzkegelförmigen Blattknos- 
Pen der Schwarzpappel, sind an ihren 
dachziegelartig aufeinanderliegenden Schuppen 
nnt einem aromatischen klebrigen Harze be 
deckt und enthalten überdies Gerbstoff, Wachs 
u ud 1 / 2 °/o ätherisches öl. Aus den im Frühling 
gesammelten Knospen stellt man durch Er 
wärmen mit Schweineschmalz die Pappel- 
falbe (Unguentum populi) her, die gegen Ver 
brennungen und als Haarwuchsmittel benutzt 
Wird. Das aromatisch riechende, hellgelbe bis 
hellbraune ätherische Pappelknospenöl (Oleum 
gemmae populi) hat das spez, Gew. 0,890 bis 
°>905 und siedet zwischen 255 und 265°. 
t Paprika (Spanischer oder Türkischer 
(Keffer, lat. Fructus capsici annui seu Piper 
h’spanicum, frz. Poivre rouge, engl. Red pepper) 
hennt man die rotgelben bis dunkelroten Früchte 
ber langen Beißbeere (Capsicum annuum), 
Welche die Form einer 6—io cm langen und 
^>5—3 cm dicken Schote besitzen. Die aus 
Spanien, Italien, vor allem aber aus Südungarn 
^geführte Frucht kommt. sowohl in ganzem 
Wie i n gemahlenem Zustande in den Handel. 
ÖIe enthält als wertbestimmenden Bestandteil 
5)wa 0,01 o/ 0 eines scharfschmeckenden Stoffes, 
T a Psaizin, das sich jedoch nur in gewissen 
r üsen der Fruchtscheidewand (Placenta) vor- 
’^det. Als Gewürz wird nur die ganze ge 
mahlene Frucht benutzt, während ein neuer 
dings als Zusatz'zu Hackfleisch angepriesenes 
Pulver, das unter Beseitigung der Placenta her 
gestellt worden ist, völlig geschmacklos er 
scheint und daher zu den im Fleischbeschau 
gesetz verbotenen Farbstoffen zu rechnen ist. 
In gepulvertem Zustande ist P. Verfälschungen 
in hphem Grade ausgesetzt, Zusätze von Mehl, 
Kleie, Sandelholz, Ziegelmehl, Ocker und an 
deren Mineralstoffen und künstliche Färbung 
sind beobachtet worden, ja selbst mit Alkohol 
völlig extrahierte Proben kommen im Handel 
vor. Diese Extraktion erfolgt zur Gewinnung 
der Paprikatinktur (Tinctura capsici), die als 
Einreibungsmittel Verwendung findet, aber 
auch zur Verfälschung von Trinkbranntwein, als 
Schärfe, dient, durch Einhängen mit P. gefüllter 
Säckchen in Spiritus. Die bereits in Ungarn 
vielfach ausgeübte Verfälschung gibt sich durch 
die blässere Farbe, den milderen Geschmack und 
vor allem den geringen Gehalt an alkoholischem 
Extrakt, der in normaler Ware mindestens 260/0 
beträgt, zu erkennen. Allerdings ist zur Ver 
meidung von Irrtümern zu berücksichtigen, daß 
Paprika sich bei längerer Aufbewahrung ver 
ändert und anscheinend an Extrakt verliert. 
Paradieskörner (Meleguetapfeffer, Mus 
katsaat, Guineapfeffer, lat. Grana paradisi, 
frz. Grains de paradis, engl. Grains of paradise) 
sind die Samen von Amomum Melegueta 
(Szitamineen) und also mit Ingwer und Kar 
damomen verwandt. Die glänzendbraunen und 
harten Samen zeigen eine rundlicheckige und 
fast vierseitige Form. Die Oberfläche erscheint 
mit feinen Runzeln und Wärzchen bedeckt, der 
Durchschnitt weiß und mehlig, der Geschmack 
stark gewürzhaft und beißend wie Pfeffer und 
Ingwer. Die wertbestimmenden Stoffe befinden 
sich in der Samenschale und bestehen aus wenig 
ätherischem Öl und einem sehr brennend 
schmeckenden Harz. Zurzeit wird die Droge 
nur noch benutzt, um Essig und Branntwein 
einen schärferen und kräftigeren Geschmack zu 
geben, sowie bei der Bereitung bitterer Liköre. 
Paraffin ist ein Gemenge verschiedener fester 
Kohlenwasserstoffe der Fettreihe von der ali- 
gemeinenFormelCnHau-t-2, hauptsächlich mit 20 
bis 40 Atomen Kohlenstoff, das sowohl fertig 
gebildet in der Natur vorkommt, als auch bei 
der trockenen Destillation bituminöser Kohlen 
und Schiefer entsteht. Der von K. v. Reichen 
bach im Jahre 1830 eingeführte Name „parum 
affinis“ soll die geringe Verwandtschaft zu an 
deren Stoffen, die Widerstandsfähigkeit gegen 
chemische Stoffe andeuten. P. findet sich in 
gelöstem Zustande im Erdöl, in fester Form als 
Erdwachs (Ozokerit) am Fuße der Kar 
pathen in Galizien, ferner in Siebenbürgen, der 
Moldau und am Ostufer des Kaspischen Meeres. 
In großen Mengen gewinnt man es aus dem 
Teer gewisser Braunkohlen, die sich besonders 
in der Provinz Sachsen zwischen Weißenfels 
und Zeitz finden sowie aus Torf und bitumi 
nösem Schiefer, Die zur Verarbeitung geeig 
nete Braunkohle, die sog. Paraffin kohle 
(Pyropissit), die ein wenig kohlenartiges Aus 
sehen hat und, mehr einer leichten hellbraunen, 
bröckligen Erde ähnelt, wird zunächst geschwelt, 
d. h. einer trockenen Destillation unterworfen,
	        
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