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gewesen ist, zwecks Verhinderung von Preisschleudereien durch
gemeinsame Vereinbarungen den Markt zu beeinflussen, und obwohl
die Verhinderung von Preisschleudereien eine wichtige Voraus-
setzung für Qualitätsarbeit ist, gehen im Laufe der letzten Jahre,
soweit es die natürlichen Grenzen gestatten, immer mehr Kartelle
dazu über, im Sinne der Förderung einer Qualitätsarbeit auch die
Produktion der angeschlossenen Mitglieder zu beeinflussen.“
Die Stellungnahme zu allen vorstehend geschil-
derten Versuchen, den Kartellbegriff zu ändern und
zu erweitern, muß scharf ablehnend sein. Betrachtet man
das Problem zunächst vom Standpunkt wirtschaftswissen-
schaftlicher Begriffsbildung, so ist zu sagen, daß, wenn ein
solch willkürliches Umspringen mit einigermaßen feststehenden wissen-
schaftlichen Begriffen üblich werden sollte, jede Möglichkeit klarer
Verständigung aufhören müßte. Man kann nicht jedesmal, wenn
man auf eine Erscheinung stößt, die mit einem bestimmten Gebilde
in irgendwelcher Hinsicht „verwandte Züge“ zeigt, sie mit dem
gleichen Namen belegen. Aller verständigen Begriffsökonomie ent-
spricht es, den Kartellbegriff zu beschränken auf Fälle, in denen es
sich um Verbände aller oder nahezu aller Konkurrenten und um die
Ausschaltung oder Milderung der Konkurrenz zwischen ihnen handelt.
Hier liegt ein Tatbestand von so ausgesprochener Eigenart und so
eminenter wirtschaftlicher Bedeutung vor, daß es unbedingt geboten
ist, ihn gedanklich besonders zu erfassen und mit einem besonderen
Namen zu belegen. Würde man nach dem Isay’schen Vorschlage
verfahren, dann würde natürlich immer noch das Bedürfnis bestehen,
innerhalb des weiten Sammelbegriffes die Fälle, die man bisher als
Kartelle bezeichnete, begrifflich zusammenzufassen. Man hätte dann
das erbauliche Resultat, daß man für den neuen weiteren Begriff,
zu dessen Bildung überhaupt wenig Bedürfnis vorliegt, den alten in
engerer Bedeutung eingebürgerten Ausdruck verwendete und daß
für den engeren Begriff, den man immer wieder gebraucht, ein pas-
sender Ausdruck fehlte! Es ist richtig, daß einige Autoren — ins-
besondere Ingenieure! — bloße Normalisierungs- und Typisierungs-
gemeinschaften als Fertigungskartelle bezeichnen, aber solch ein sa-
lopper Sprachgebrauch darf nicht dazu führen, bewährte Begriffs-
bildungen über den Haufen zu werfen.
In tatsächlicher Hinsicht ist zu betonen, daß die Be-
hauptung, die Kartelle hätten ihren Charakter gewandelt und dienten
heutzutage in erster Linie der Produktionsförderung, in dieser Form
sicherlich falsch ist. Richtig ist, daß manche Kartelle auch nach