Full text: Kartelle

Y 
tellierung statt, so drängen sich Surrogate — Roggen gegen Weizen, Kunstwein gegen 
Naturwein, Braumais und Braureis gegen Braugerste usw. — kartellerschwerend 
hervor. Um den Landwirten vollen Erfolg zu bringen, müßten für jede Gattung der 
Produkte, welche — von den Handelsgewächsen wie Wein, Hopfen abgesehen — neben- 
einander in gemischter Produktion stehen, ein Kartell gebildet, also für die Masse der 
Landwirte der Eintritt in eine Mehrheit von Kartellen oder Kartellabteilungen bewerk- 
stelligt und möglich gemacht werden. Umfang, Art und Kosten der Produktion sind 
in der Landwirtschaft zu verschieden, als daß sich leicht gemeinsame Preislimitie- 
rungen und einverständliche Angebotsbeschränkungen zustande bringen ließen. 
Alle diese großen Schwierigkeiten vollständig zugegeben, 1äßt sich dennoch heute 
noch nicht mit Sicherheit voraussehen, daß das Kartellwesen in der Landwirtschaft 
gar nicht Platz greifen könne. Die Prognose für und wider steht vor ganz unbekannten 
Zukunftsfaktoren. Gewiß aber ist, daß die Wirtschaftsgenossenschaft zur kollektiven, 
wenn auch nicht monopolistischen Führung der privatwirtschaftlichen Preiskämpfe 
umfassendster Anwendung in der Landwirtschaft fähig und schon in voller Entwicklung 
begriffen ist. Die Wirtschaftsgenossenschaften vermögen sich zu Verbänden zusammen- 
zutun und diese Verbände können einen systematischen Lokal- (Bezirks-), Regional-, 
Landes- und Reichsaufbau ausführen, mit möglichster Spezialisierung der Bezugs- 
und Absatzgemeinschaft, mit möglichster Sonderung nach einzelnen Objekten, aber 
auch mit ausgebildetster Zentralisation der öffentlichen Angebots- und Nachfrage- 
nachweisungen. 
Die Hindernisse wenigstens aus der großen Zahl der Betriebe lassen sich vielleicht 
doch mehr oder weniger überwinden, wenn die Landwirte von Ortsgruppen aus durch 
die Zentralverbände in einen allgemeinen Zusammenhang geraten, um planmäßig 
das Gesamtangebot und die Gesamtnachfrage ins Gleichgewicht zu bringen und die 
Arbeitsteilung nach den Indikationen der Bodenaualitäten und klimatischen Verhält- 
nisse planmäßig durchzuführen. 
Das Hindernis der Zerstreuung der kartellbedürftigen Betriebe ist in der Land: 
wirtschaft im ganzen wohl geringer, als in der Industrie und im Handel; denn die wich- 
tigsten Artikel werden von den Landwirten allgemein gefragt und überall erzeugt, 
und für andere Artikel, namentlich für Handelspflanzen, ist eine starke Zentralisation 
vorhanden; bei gegliedertem Kartellaufbau nach Orts-, Regional- und Landesverbänden 
von Wirtschaftsgenossenschaften, werden die Hindernisse der Zerstreuung nicht vor- 
ab als unüberwindlich angesehen werden müssen. 
Ein weiteres Hindernis trifft für die hauptsächlichen Bezugs- und Absatzwaren 
der Landwirtschaft wie im Bergbau nicht in höherem, wahrscheinlich in erheblich ge- 
ringerem Maße zu, als bei vielen Industrien: die Gefahr der Verdrängung des kartellierten 
Monopolartikels durch Surrogate. Kartellmäßige oder sonstige preisgenossenschaft- 
liche Vereinigung ist auch diesem Hindernis gegenüber nicht absolut aussichtslos, 
namentlich, wenn man sich nicht scheut, mit Margarin-, Saccharin-, Kunstwein- und 
ähnlichen Verboten zu operieren. Eine andere der Kartellbildung und dem genossen- 
schaftlichen Handel entgegenstehende Schwierigkeit, der Mangel an Enge und Ge- 
schlossenheit des Marktes ist ebenfalls nicht durchaus in höherem Grade vorhanden 
als in vielen Industrien. Schon die Transportkosten würden zu einem Generalver- 
band von Absatz- und Bezugsgenossenschaften, auf Rayonierungen und planmäßige 
Überweisungen hindrängen; durch Schutzzölle nach außen, wie durch Eisenbahn- 
tarife ließe sich diesem Drange zur Not nachhelfen. Die Unberechenbarkeit der Ernte- 
mengen im ganzen, sowie nach einzelnen Gegenden, Gütern, Gewächsarten ist vielleicht 
auch kein absolutes Hindernis landwirtschaftlicher Kartellierungen. fordert vielmehr 
Passow. Kartelle.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.