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nur desto mehr genossenschaftliches Zusammenstehen für Absatz zu lohnenden Prei-
sen, für Ausgleichung der Preisschwankungen durch gemeinsame Lagerhaltung und
für planmäßige Bestands- und Absatzüberweisungen zwischen den einzelnen Betrieben
und innerhalb großer Verbände heraus‘‘*).
Wie die Literatur zeigt?®), ist in den letzten Jahren das Problem
einer Kartellierung der Landwirte eifrig erörtert worden, wobei über-
1) Aus späterer Zeit vgl. zu diesem Thema: Beckmann, Zur Theorie des
landwirtschaftlichen Kartells (Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik, Bd. 101,
(1913), S. 797 ff., Camp, Agricultural Pools in relation to regulating the movement
and price of commodities (in Proceedings of the Academy of Political Science (New
York), Vol. XI. 1924/26, S. 735 f£.).
2) Nur der Vollständigkeit halber sei erwähnt: Spiller, Der wirtschaftliche
Zusammenschluß der Landwirtschaft (Phil. Diss. Leipzig 1927, auch im Buchhandel
erschienen: Berlin 1927). Der Verf. tritt in ganz oberflächlicher Weise für einen kar-
tellartigen Zusammenschluß der Landwirtschaft ein, ohne die entgegenstehenden
Schwierigkeiten zu berücksichtigen. S. 41 versteigt er sich sogar zu dem Satze: ‚‚Dieser
Zusammenschluß ist möglich, weil die Grundlagen hierfür bei der Landwirtschaft
günstiger sind, als in jedem anderen Beruf.“ Hans Sauer, Kartellierungsbestrebun-
gen in der deutschen Landwirtschaft (Staatswiss. Diss. Halle 1927, 2. nur unwesent-
lich geänderte Auflage: Kirchhain 1929), gibt eineZusammenstellung über Kartellierungs-
bestrebungen in der Vorkriegszeit und betont dann die Hindernisse, die einer Kar-
tellierung der Landwirtschaft im Wege stehen.
Besonders beachtlich ist die Schrift von Steding, Die Kartellierung der
Landwirtschaft. Berlin 1928. St. tritt sehr energisch für eine weitgehende Kar-
tellierung der Landwirte ein und macht Vorschläge, wie — mit Hilfe der Regierung —
solche Kartelle ins Leben gerufen werden sollten. ‚Die heutigen landwirtschaftlichen
An- und Verkaufsgenossenschaften sind, da sie in ihrer Zielsetzung und Konstruktion
auf eine weit zurückliegende volkswirtschaftliche Entwicklungsstufe zugeschnitten
sind, zum größten Teil heute nicht geeignet, Einfluß zu erlangen. An ihre Stelle müssen
für jedes einzelne landwirtschaftliche Produkt straff zentralisierte Absatzorganisationen
treten, die in Zielsetzung, Charakter und Organisation den Kartellen der Industrie
entsprechen. Solche Kartelle sind möglich, allerdings erst nach Schaffung verschie-
dener, heute nur zum Teil vorhandener Vorbedingungen. Diese Vorbedingungen sind
zunächst auf geistigem und wissenschaftlichem Gebiet zu erfüllen durch eine ganz
andere Einstellung der Landwirte zum Absatzproblem und eine Einbeziehung aller
zum Absatzproblem gehörenden Wissensgebiete in das landwirtschaftliche Forschungs-
und Unterrichtswesen. Die sachlichen Voraussetzungen sind, soweit sie die Eigenart
der landwirtschaftlichen Produkte selbst betreffen, durchaus als günstig anzusehen,
doch bedarf es hier noch einer sehr umfassenden Forschungs- und Ermittlungsarbeit
auf den verschiedenartigsten Gebieten der Agrarstatistik. Ferner ist eine weitgehende
Standardisierung und Typisierung eine unerläßliche Vorbedingung für alle Kartelle
höherer Ordnung. Die Formen der landwirtschaftlichen Kartelle werden für jedes
landwirtschaftliche Produkt einzeln gefunden werden müssen. Es werden teils Kar-
telle niederer, teils höherer Ordnung möglich und notwendig sein. Die räumliche Aus-
dehnung der Kartelle muß sich nach dem Marktgebiet richten. Es wird örtliche, pro-
vinzielle, Reichs- und internationale Kartelle geben. Die Mitglieder der Kartelle wer-
den sich zusammensetzen aus Einzelbetrieben, Spezialgenossenschaften, evtl. aus eben-
falls noch in der Entwicklung begriffenen landwirtschaftlichen Konzernen und In-