Full text: Kartelle

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reich versammelten Brauer und Mälzer aus allen Teilen Süddeutsch- 
lands erklären sich einmütig für die Notwendigkeit der Errichtung 
einer Gersten - Einkaufsgenossenschaft und bitten den Deutschen 
Brauer-Bund, baldmöglichst die nötigen Schritte hierzu in die Wege 
zu leiten.“ Die gewählte Kommission erhielt den Auftrag, alles 
Nötige zur Errichtung der Genossenschaft vorzubereiten. Das Prä- 
sidium des Deutschen Brauer-Bundes hielt es für seine Pflicht, Klar- 
heit über die Aussichten einer solchen Idee zu schaffen. Das ist 
im Auftrage des Präsidiums geschehen durch ein ausführliches Gut- 
achten, das zu einem völlig negativen Resultat führte, und durch 
Verhandlungen in der Versammlung des Großen Ausschusses des 
Deutschen Brauer-Bundes am ı5. Oktober 1912 in München. Die 
Versammlung kam einstimmig zu dem Schluß: „daß der Errichtung 
einer allgemeinen Gersten-Ein- und Verkaufsgenossenschaft des ge- 
samten deutschen Braugewerbes unüberwindliche Schwierigkeiten 
entgegenstehen“. Es wurde aber ein Informationsdienst über Gersten- 
anbau, Gerstenpreise usw. eingerichtet, der, wie in dem erwähnten 
Berichte dargelegt wird, für die Gestaltung der Preisentwicklung 
den Brauereien einen nützlichen Überblick verschaffte und Preis- 
steigerungen verhinderte ?). 
1) Über Gegenwirkungen in landwirtschaftlichen Kreisen heißt es S. 594.: 
„Schon Mitte August 1913 wurden in Süddeutschland unter den Landwirten Stimmen 
laut, die ein geschlossenes Vorgehen gegen ‚Versuche der Brauereien, auf den Preis 
einzuwirken‘“ anrieten. Kennzeichnend für die Stimmung ist ein Beschluß, der von 
Gerstenproduzenten aus der Bayreuther Gegend gefaßt wurde, nachdem der Verein 
der Brauereien von Bayreuth und Umgegend beschlossen hatte, „angesichts der großen 
Malz- und Gerstenvorräte und des ganz bedeutend geringeren Bierabsatzes in den 
letzten Monaten vor dem ı. Oktober keine Gerste mehr anzukaufen‘‘. Vier Tage später 
verpflichteten sich die Gerstenproduzenten des Bayreuther Bezirkes einstimmig „gegen 
Konventionalstrafe vor dem ı. Januar 1914 keine Gerste an die Brauereien usw. von 
Bayreuth und Umgegend zu verkaufen‘. Wenn es sich hierbei auch nur um ein rein 
lokales Vorgehen und nur um einen Versuch handelte, so war es doch bezeichnend für 
die Stimmung, die in Produzentenkreisen aufkam angesichts des großen Unterschiedes 
in den diesjährigen Gerstenpreisen gegen die vorjährigen. 
Sobald in weiteren Kreisen bekannt wurde, daß eine Braugersten-Kommission 
bemüht sei, Klarheit über Aussaat und Ernte, über Angebot und Nachfrage sowie 
über gezahlte Preise zu schaffen, wurde der Rückgang der Preise lediglich dieser Tätig- 
keit zur Last gelegt. Nur vereinzelt wurde billigerweise auch darauf hingewiesen, daß 
in diesem Jahre tatsächlich das Angebot die Nachfrage bedeutend übersteige, und 
daß eben infolge dieses Umstandes die Preise zurückgehen mußten ... 
Bei allen geeigneten Gelegenheiten wurde an die Landwirte die dringende Mah- 
nung gerichtet, der „Zurückhaltung der Brauereien im Gersteneinkauf ebenfalls Zurück- 
haltung im Verkauf entgegenzusetzen. Der Landwirt solle sich nicht von den Brauern 
Preise diktieren lassen, die zu den hohen Erzeugungskosten und dem großen Risiko
	        
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