Object: Handbuch der vergleichenden Statistik der Völkerzustands- und Staatenkunde

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SPANIEN — Sociales. 
73,495 Geistliche über den [sehr reichlich bemessenen] Bedarf vor 
handen!) Die gegen Spanien ausgesendete franz. Expeditionsarmee 
bestand aus etwa 80,000 M. — Als der Kampf zwischen Cristinos 
und Carlisten begann, bestand die Macht der Letzten, Ende 1835 
aus 18,000 M. Fussvolk, 800 Reitern, 17 bespannten und 35 unbe- 
spannten Kanonen, dann 3500 Freiwilligen als Reserve. Die Cristi 
nos besassen eine Streitmacht von nahezu 100,000 M, Später stieg 
dieselbe auf fast 150,000; die Kräfte der Carlisten aber vermehrten 
sich in Biscaya und Navarra auf 40,000, in Aragonien (unter Ca 
brera) und Catalonien auf 30,000. 
Soclitics« Adel und Geistlichkeit besitzen seit Jahrhunderten 
die Reichthümer Spaniens; neben ihnen erhob sich der fürstliche Ab 
solutismus. Wohin man kam, mögen einige Daten aus dem vorigen 
Jahrhunderte zeigen, im Jahre 1787 zählte man in Spanien 479,653 
Edelleute (wie in Russland, ist hier blos das männliche Geschlecht 
in Rechnung gezogen), davon beinahe V4 in Asturien; ferner 93,689 
Mönche und 85,668 Weltgeistliche, zusammen gegen 180,000, so 
dass je das 17te erwachsene männliche Individuum unmittelbar „von 
der Religion“ lebte; ausserdem 2666 Beamte der Inquisition (unge 
rechnet deren „Familiären“), und 4103 Beamte der übrigen Geist 
lichkeit; sodann 37,902 Civilbeamte und 77,884 Militare; dann 
34,030 Kaufleute (die Zahl der Geistlichen war 5 mal so gross!), 
39,073 Fabrikarbeiter, 262,932 Handwerker (kaum um die Hälfte 
mehr als Geistliche !), 896,844 Bauern, und 1’234,188 Taglöhner etc. 
Welche unnatürlichen Socialzustände setzen diese Ziffern voraus ! — 
Wie die Volksbildung gehemmt statt befördert ward, zeigte der Er 
folg. Aber auch rein materielle Verbesserungen Hess man nicht auf- 
kommen. Bekannt ist die Entscheidung, als zur Zeit Karl des II. 
eine Niederländische Gesellschaft den Tajo und Manzanares schiffbar 
machen wollte: „Hätte der allmächtige Gott diese Flüsse bis Madrid 
schiffbar haben wollen, so würde er dies ohne alle Mitwirkung schwa 
cher Menschenkinder ausgeführt haben; da er es nun aber, wie der 
Augenschein beweist, nicht that, so wäre es eine freventliche Wider 
setzlichkeit gegen ihn und seine Vorsehung, wenn schwache Menschen 
das ordnen wollten, was er aus allweisen Gründen zu thun uutorliess.“ 
(Annalen von Don Jnan Mmrez de Colmenar.) 
Selbst lange nach derNapoleonischen Herrschaft, nämlich nach 1820, 
zählte man 3005 Klöster im Lande. Bis dahin bezog der Erzbischof 
von Toledo ein Einkommen von 500,000 Ducaten, jener von Valen 
cia 200,000. Die Einkünfte des Erzbisthums Valencia sollen 15’400,00() 
Realen betragen haben. In Galizien befanden sich V3 des Bodens 
im Besitze der Geistlichkeit, in ganz Spanien wolxl ein volles Drit- 
theil. Als sich die Cortes 1822 mit einer neuen Organisation des 
Clerus beschäftigten, waren 73,495 Geistliche über den Bedarf vor 
handen , ungerechnet Mönche und Nonnen. Das Einkommen des 
Staates betrug 1820 21 Mill. Piaster, das der Geistlichkeit gleich 
zeitig 52 Mill. — Nach der 1855 angoordnoten Aufhebung der Je- 
suitenconvente und aller Klöster von weniger als 12 Couventualea
	        
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