1602 VIL AbfOnitt: Einzelne SoOuldverhältniffe,
der Handelnde Iraft Gejeße&s zu gehorchen verpflidhtet mar, hat das Gejey als jelbit-
verftändlidh nicht ausdrücklich auSgefprochen (DM. Il, 730; Goldmann Lilienthal S. 883
nm. 11, Siicher-Henle Note 10; vgl. BLNR. Tl. I Tit. 6 88 45 ff.; 1). auch bayr. BolSt®S.
rt. 122 Ybf. 1).
Das gleiche gilt für den Fall der Nötigung vgl. StGB. $ 52 und die Kommen“
tare biezu; nach Liszt, Deliftsoblıgationen S. 94 ff. Joll im diefen Fällen ein Yotftand im
Sinne des 8 904 BO. vorliegen).
7. Nach Bitelmann Archiv f. d. zivilift. Praxis Bd. 99 S. 104 ff.) Toll die objektive
Widerrechtlichfeit und damit die Anwendbarkeit der SS 823 ff. ausgefchloifen fein, wenn
jemand als Gejfhäftsführer im Rahmen des S 677 ne hat. Diele TE AT
it mit überzeugender Begründung widerlegt von Pland Borbem. V vor S$ 677 (and. Ant.
SH. A. Sicher a. a. DO. S. 283 ff). Zweifel erregt insbefondere der Fall, daß ein Arzt
eine nach feiner Neberzeugung notwendige Operation vornimmt, obwohl die Einwilligung
des Patienten 3. B. wegen defjen Bewußtlofigkeit) oder feines gefeßlichen Vertreters Ö
oben Biff. 5) nicht eingeholt oder nicht abgewartet merden kann (vgl. hierüber oben S. 999 ff.
und Die dort erwähnte Literatur und Praxis, ferner AWohrens | Vorbem. 13 vor S 677),
Bitelmann a. a. ©. S. 111 ff, S. U. Ficher a. a. O. S. 279 Ff, Hamm in D. Iur.Z. 1907
S. 447 ff., Pland Bem. N, 3 zu 8 823), Nach unferer Anficht dürfte die Widerrecht-
(ichfeit einer berartigen Handlung nicht zu leugnen, eine Schadenserfaßpflicht des
Arztes aber regelmäßig mangels Verfchulden8 (f. unten unter C) ausgefchloffen fein (vol.
auch Urt. d. DLSG. Darmitadt vom 16. November 1906 Seuff. Arch. Bd. 62 Nr. 157, Urt.
d. Neichsger. vom 21. Juni 1907 und 27. Mai 1908, Yur. Wichr. 1907 S. 505 ff., 1908
S. 480 {f.). Neber die Stage der Widerrechtlichkeit einer Yperation, die mit Einwilligung
de8 gefeblichen Vertreters, aber gegen den Willen des Minderjährigen vorgenommen wird,
1. ®. Cohn, SGerichtsfaal Bd. 73 S, 354 ff.
C, Die Verlegung muß ferner, um die Verpflichtung zum Schadbenserfaße zu be
gründen, fOuldhaft erfolgt jein, d. h. auf Borfag ader Fahrläffigfeit des Täters be
ruben (. 11, 727); die mehrfadh unternommenen Verfuche, das Berfhuldungs-
prinzip (I. Vorbem. II, 3, vgl. auch Wehl, Berfhuldensbegriffe S, 563 ff.) dur das
angeblich deutidhrechtlide Beranlajfungsprinzip zu erjeßen, hatten feinen Erfolg
(vgl. 36. 11, 396 ff, VI 511%, N. IL, 568 M, CR, 97 ff}. Einzelne NuSnahmen
vom Werfchuldungsprinzip enthalten die SS 829, 833 Saß 1, 835; f. audh & 848. Nach der
Wnfchauung des Reichsgericht8 fjollen weitere Ausnahmen von dem Verfchuldungsprinzipe für
alle Fälle anzuerfennen fein, in denen dem Verlekten die Befugni3 entzogen it, an {ich
widerrechtliche Eingriffe in fein Sigentum abzuwehren und dadurch dem Schaden vor:
zubeugen (Urt. vom 11. Mai 1904 umd 13. Juni 1906, ROES. Bd. 58 S. 134, Bd. 63
S, 376), eine Anficht, die mit Hecht von Wand Bem. 1 a. €. al3 „nicht unbedenklich“
hezeichnet wird.
Ueber die EA „Borfaß“ und „Sahrläffigkeit“ |. Vorbem. II vor
38 275 ff. (val. auch Weyl, Berfhuldensbegriffe S. 32 ff., 38 ff, 99 ff., 388 ff). Ueber den
Begriff des Eventualdolugs f. Urt. d. Reichsger. vom 18. Oktober 1910 Warueyer CErg.-Bb.
1910 S, 427 ff. Hervorzuheben ift, daß gemäß S 276 nicht nur die int Verfehr übliche,
Jondern bie im Verkehr erforderliche Sorgfalt zu vertreten ijt; eine Verfehrzübung
it dann außer Betracht zu laffen, wenn fe Jich al8 ein Mißbrauch Ddarftellt (Urt. d.
Meichsger. vom 9. April 1906 HJur. Wichr. 1906 S. 352 und vom 24. IJuni 1907 Recht
1907 S. 1135). Drohende Gefahr kann den Mangel an befonnener UÜeberlegung ent-
jhuldigen und daher troß fachwidrigen Verhaltens das Vorliegen von Sabrläffigteit
ausichließen (Urt. d. Reichsger. vom 9. Januar 1902 RGE. Bd. 50 S. 95).
, 1. Vorlas und Fahrläffigfeit braucht nur hinfichtlihH der vberlegenden Handlung,
nicht hinfichtlich des entjtandenen Schadens gegeben zu fein. €3 genügt alfo für die
Schadbenserfaßpflicht, daß der Handelnde gewußt und gewollt hat oder bei Anwendung der
im Verkehr erforderlichen Sorgfalt hätte vorausjehen müflen, daß durch feine Handlungs-
weife eine8 der gejchüßten KRechtSgiüter oder Rechte eineS anderen verlebt wird, mag auch
die hiedurch bewirkte Schädigung des Berechtigten von ihm nicht beabfichtigt bzw. für ihn
nicht vorausfebbar gewefen jein (€. I, 704 Wbfj. 2 Sag 1: „auch wenn die Entftehung
eines CSchaden8 nicht vorauszufehen war“, Me. II, 728, ZG. 11, 400 ff.; val. hiezu Wind-
Icheid-Ripp, Band. Bd. 2 S. 948 ff., CErome 8 325 Ann. 9, Pland Bem. IL, 4, Vertmann
Bem, 4, e, Neumann Vorbem. C, II, 1, Liszt S. 28, 25, Senel in D. Sur.8. 1899 S. 412,
Träger, Raufalbegriff S. 197 f.; 1. auch Chlinger in BL f. RU. Bd. 69 S. 173 Note *,
Urt. d. Neichsger. vom 3. Oktober 1903 Iur. Wichr. 1903 Beil. S. 125 ff).
„Die Verpflidhtung zur Anwendung der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt trifft
übrigens nicht nur den Eigentümer einer gefahrdrohenden Sache, fondern jeden,
ber in der Lage ijt, über die Sadhe zu verfügen (Urt. d. Keichsger. vom
15. Oftober 1910 Warnevyer CEra.=Bd. 1910 &. 459); daher bat insbefondere jeder,