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I, 3. Unternehmung und produktivgsnosienschast
schon über 100 °/o der Belegschaft —, und aus der Neigung der Ar
beiterschaft, die Einführung immer kürzerer Kündigungsfristen für
bas Arbeitsverhältnis zu verlangen.
Ganz anders dagegen ist die Lage des Unternehmers. Wenn er
sein Kapital in ein Unternehmen gesteckt hat, und dieses schlägt fehl
oder bleibt in seinem Reinertrag auch nur hinter dem landesüblichen
Zinsfuß dauernd zurück, so kann er eben nicht wie der Arbeiter ohne
Verlust wieder heraus, sondern er muß mit der ganzen oder teil
weisen Einbuße seines Vermögens rechnen. Und er kann auch nicht
so leicht wie der Arbeiter darauf rechnen, eine Stellung zu finden,
in der seine Arbeit die gleiche Vergütung erhält wie bisher. Ein
Unternehmer, ber als solcher Schiffbruch erlitten hat, empfiehlt sich
damit nicht gerade für die Übernahme leitender Stellungen in an
deren Unternehmungen. Er wird nach diesem Rkißgeschick auf der
sozialen Stufenleiter regelmäßig herabsteigen und sich mit irgend
einer bescheidenen Anstellung begnügen müssen.
Die verschiedene Lage, in der sich Unternehmer, Zinskapitalisten
und Lohnarbeiter im Falle des Konkurses eines Unternehmens be
finden, ist aber für das Risiko der Produktion, das der Unternehmer
zu tragen hat, überhaupt nicht das Entscheidende. Entscheidend ist
die Lage der Dinge bei normalem Verlauf der wirtschaftlichen Ver
hältnisse, d. h. wenn es nicht zum Zusammenbruch des Unterneh
mens kommt. Und da besteht eben die Funktion des Unternehmers
darin, für die anderen an der Unternehmung beteiligten Personen
gewissermaßen als Wellenbrecher einzutreten. Solange sein ver
mögen zureicht, ist Zinskapitalisten und Lohnarbeitern diejenige Be
zahlung für ihr Kapital und ihre Arbeit gesichert, die der jeweiligen
Lage des Kapital- und des Arbeitsmarktes entspricht, auch wenn die
hergestellten Produkte sich nicht zu Preisen verkaufen lassen, die im
rechten Verhältnis zu den Produktionskosten stehen. Das ist das
Risiko der Produktion, das der Unternehmer den Lohnarbeitern und
Zinskapitalisten abnimmt. Die Bedeutung dieser wirtschaftlichen Lei
stung des Unternehmers wird dadurch noch nicht aus der Welt ge-