gabe der Wirtschaftskreise sein kann, die
Regierung zu verhindern, die einmal einges
gangene Verpflichtung zu erfüllen.
Meine Herren, in diesem Zusammen»
hang muß ich Ihnen jetzt eine sehr wenig
erfreuliche, ja, man kann wohl sagen, ziem-
lich erschütternde Mitteilung machen über
den Stand der Ratifikation des Handelsver-
trags mit Spanien. Ich höre soeben, daß
in der Kommission des Reichstags der Han-
delsvertrag mit Spanien mit einer sehr gross
Ben Majorität abgelehnt worden ist (hört!
hört!), nämlich mit 17 gegen 4. (Hört! hört!)
Die Mitteilung ist um so erstaunlicher, als
aoch gestern Abend aus parlamentarischen
Kreisen mit großer Sicherheit erklärt wurde,
daß die Deutschnationalen mit Rücksicht
auf die Subventionen für die Winzer, die
vom Reichsernährungsminister vorgesehen
waren, für den Vertrag stimmen würden,
wobei ja dann wahrscheinlich sich eine sehr
große Majorität für den Vertrag ergeben
hätte, weil in diesem Falle wahrscheinlich
auch die Sozialdemokraten ihren Wider»
spruch gegen den Vertrag aufgegeben hät»
;en. Es handelt sich hier ja um eine Kom-
missionsabstimmung, und insofern noch um
nichts Endgültiges. Aber ich möchte doch
der Überzeugung Ausdruck geben, daß hier»
mit einer der unglücklichsten Beschlüsse ge-
[aßt worden ist, die in letzter Zeit von einer
Reichstagskommission gefaßt worden sind.
(Lebhafte Zustimmung.) Die Wirkungen des
spanischen Handelsvertrags sind — hierüber
sind in der Geschäftsführung des Reichs»
verbandes Statistiken aufgestellt worden —
für den deutschen Export außerordentlich
günstig gewesen; und ich glaube in der Tat,
daß, wenn der Vertrag nicht ratifiziert wer:
den wird, wir uns auf einen längeren Zoll:
krieg mit Spanien mit allen schweren Fol:
gen, die er nach sich ziehen wird, präpas-
rieren können. Es wird also meiner Meis
nung nach unsere Aufgabe sein, mit allen
Mitteln, die uns überhaupt zur Verfügung
stehen, den Versuch zu machen, daß doch
der Reichstag in letzter Stunde sich noch
wieder anders besinnt und den Vertrag an»
nimmt.
Meine Herren, ich wende mich. dann zu
denjenigen Ländern, mit denen augenblick-
lich noch die Handelsvertragsverhandlungen
schweben. Wenn ich diese Länder nach dem
Fortgeschrittensein der. Verhandlungen ein»
teile, so steht an erster Stelle Belgien, in
zweiter Reihe kommt Frankreich und Ita-
lien und an dritter Stelle Rußland, Japan
ınd Polen.
Mit Belgien, meine Herren, ist die Sache
so, daß, soweit ich informiert bin, morgen
hier im Auswärtigen Amt der Vertrag mit
3Zelgien unterzeichnet werden wird, Dieser
Vertrag sieht, wie wohl den meisten Herren
‚ekannt sein wird, für eine provisorische
Zeit eine gewisse Differenzierung auf beiden
Seiten vor. Die Differenzierung soll zum
Teil 6 Monate, zum Teil ein ganzes Jahr
dauern. Auch bei den differenzierten Was
‚en ist zum großen Teil eine Herabsetzung
jes Koeffizienten vorgesehen, so-daß Deutsch-
and eine Art Zwischentarif genießen würde.
Für das Definitivum — und das ist das
Wichtigere — ist die volle gegenseitige
Meistbegünstigung vorgesehen. Ebenso ist
in den meisten Bestimmungen des Vertrags»
textes, soweit ich darüber unterrichtet bin
— das ist allerdings nur ziemlich oberfläch»
ich — die Meistbegünstigung vorgesehen.
Dagegen ist nach dem, was ich gehört habe,
‘ür die Kongo-Kolonien eine Meistbegün-
stigung nicht erreicht worden.
Von belgischer Seite ist aber erklärt
worden — und darauf werde ich später in
»inem anderen Zusammenhange zurückkom-
nen —, daß eine Ratifikation des Vertrags
von belgischer Seite erst dann stattfinden
zönne, wenn das . Schicksal der deutschen
Tarifgesetznovelle entschieden ist. Bevor
än neuer deutscher Zolltarif nicht erschei»
ıen wird, wird die belgische Regierung
3»inen Vertrag nicht ratifizieren.
Mit Italien ist bekanntlich am 10. Ja»
nuar 1925 ein Provisorium abgeschlossen
worden, das gestern ablief und das eine
zegenseitige Meistbegünstigung mit zahlrei-
;hen für Deutschland sehr wichtigen Aus»
ıahmen vorsah. Das Provisorium ist gestern
n der letzten Stunde verlängert worden, und
zwar nach einem Telegramm von unserem
Vertreter, Herrn Oberregierungsrat Mayer
ıus Rom, das mir hier vorliegt, ist es, wie
ıuch heute in den Zeitungen zum Teil steht,
ınbefristet verlängert worden bis zum Ab-
schluß des Vertrags. Das Provisorium war,
wie den Herren bekannt ist, so gefaßt, daß
jesagt war, man gibt sich gegenseitig die
Meistbegünstigung mit Ausnahme der Liste
;oundso für Italien und auf der Liste
soundso für Deutschland. Diese Listen,
Jurch welche die Meistbegünstigung versagt
st, sind etwas verkleinert worden. Es ist
ıuf beiden Seiten etwas mehr Meistbegün-
stigung gewährt worden, nämlich für Italien
ist die Meistbegünstigung ausgedehnt wor:
Jen auf Tomaten, Weintrauben und Schleif-
steine, und Deutschland ist die Meistbegün»