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Bildende Kunst und Musik. 579 
Kapitalaufwendungen gefördert werden könnten: eine Möglich— 
keit, die in vollem Umfange erst im 19. Jahrhundert ein— 
getreten oder wenigstens ausgenutzt worden ist. Und so ergibt 
sich denn für das 16. bis 18. Jahrhundert ganz besonders der 
auch heute noch nicht ganz veraltete Satz, daß die künstlerische 
Entwicklung, weil der Hauptsache nach nur an besondere mensch⸗ 
liche Begabung, nicht aber unmittelbar an den objektiven 
Fortschritt der materiellen Weltbeherrschung gebunden, eine 
verhältnismäßig langsamere Entwicklung durchlief als andere 
geistige Tätigkeit. Eben dies ist, beiläufig bemerkt, einer der 
Gründe, warum unsere Bildung heute bei weitem mehr eine 
intellektuell wissenschaftliche als eine anschauliche, künstlerische 
ist; die künstlerischen Bildungsmittel sind im Verhältnis zu 
unserem allgemein geistigen und seelischen Dasein wenigstens 
his vor kurzem zu konservativ gewesen. 
Langsam also vollzog sich im 16. bis 18. Jahrhundert die 
künstlerische Eroberung der Luft und des Lichtes. Zunächst 
suchte man beiden durch den sogenannten Ton gerecht zu 
werden: man verband alle Gegenstände eines Raumes durch 
das gemeinsame Medium einer bestimmten Farbenhaltung, etwa 
einen goldigen Ton, der freudige Beleuchtung, einen silber⸗ 
grauen Ton, der delikates Licht ausdrücken sollte usp. Es 
war eine Lösung, die dem Bilde jene interessante Einheit gab 
oder wenigstens geben konnte, die für ein Frauenantlitz durch 
den herabgelassenen Schleier hergestellt wird. Aber die Lösung 
oerschleierte eben auch tatsächlich nur das Problem, statt es 
u lösen. 
Der Tonmalerei folgte entwicklungsgeschichtlich das Hell— 
dunkel. Man erkannte, wie schwer Luft und Licht im Freien 
sich wiedergeben lassen; man sah, um wie vieles aufdringlicher 
und um welche Unsummen von Kombinationen geringer Licht 
ind Reflexe in geschlossenen Räumen auftreten. Man fühlte 
hier das Webende, Schummrige, gleichsam in der Luft flüssig 
Gewordene der Widerscheine; man sah die Sonne sich in ganzen 
Milchstraßen von Sonnenstäubchen ergießen; man vermochte 
zie natürlichen Lichtquellen wie die Ströme künstlichen Lichtes
	        
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