15
ostpreußische Getreide ist bei dem Export ins Reich im wesentlichen auf die
irachtlich entfernteren Gebiete Mittel- und Westdeutschlands angewiesen.
In der nachstehenden Übersicht hat die Landwirtschaftskammer Königsberg
die monatlich auf dem Seewege aus Ostpreußen versandten Mengen an Getreide
und Mühlenerzeugnissen dargestellt. Darin spiegeln. die November- und Dezember-
verkäufe des Jahres 1925 deutlich die besondere Kreditkrise der damaligen Zeit
wider.
Seewärtige Ausfuhr Ostpreußens an Getreide und Mühlenerzeugnissen in den
Jahren 1924—1927 über den Hafen Königsberg/Pr. in Tonnen.
Monat
Januar .
Februar .
März . .
April. .
Mai
Juni .
Juli .
August . .
September .
Oktober .
Novemher
Dezember
'ahı
1924
1925 * 1926 1 19927
11 498,5
18 127,38
28 953,7
48 993,4 |
L0 091,9
6171,8
L1.406,2
9 120,1
14 784,3 |
18 855,7
.0455,0
94880:
9 166,£
44188
2 928,1
1237,6
2 518,0
2.207,C
1 986,0
‘1 537,9
14 019,0
30 788,1
48 355,0
31 8550
34.028
23 653
13 358
152238
12 440
5.967
13 709
11 2083
21 421
33 108
18 345
19 920
19447
16375
16119
12012
‚0455
$161
3914
5 453
31 900
29 027
24. 863
26 478
[192 395,3 | 155 956,0 | 221689 | 192 804
Allerdings muß bei dieser Tabelle berücksichtigt werden, daß die aus dem
Auslande gekommenen und über den Hafen Königsberg gelaufenen Getreidemengen
Mmitenthalten sind. Dieser Umstand beeinflußt jedoch nicht nennenswert das Ge-
3amtbild, da ein Vergleich mit den Zahlen der ersten Tabelle klar ergibt, daß die
‘nländischen Getreidemengen bei dem Export bei weitem überwiegen.
Die Kartoffelausfuhr ist für Ostpreußen kein ausschlaggebender
Faktor, da die Provinz kein Kartoffelüberschußgebiet ist, sondern sich annähernd
im Gleichgewicht befindet‘). Der Versand bewegte sich also schon vor dem Kriege
in recht engen Grenzen. Innerhalb dieser Grenzen wurden allerdings mehr als 50%
der gesamten Kartoffelausfuhr auf dem Bahnwege nach Westpreußen zur Verwer-
tung in. den dortigen Brennereien geleitet. Insofern liegt also auch beim Kartoffel-
versand eine Benachteiligung gegenüber der Vorkriegszeit vor. Auf der anderen
Seite muß aber bemerkt werden, daß Ostpreußen heute die Aufgabe der posenschen
und westpreußischen Kartoffelbaugebiete übernommen hat, Westdeutschland mit
hochwertigen Saatkartoffeln zu versehen; jährlich werden etwa 1500 bis 2000 t
Pflanzkartoffeln nach dem Westen versandt. Der Kartoffelabsatz ist heute
wesentlich größer als vor dem Kriege.
Das Rheinland, Sachsen, Baden, Gebiete, die früher kaum als Konsumenten
für ostpreußische Saatkartoffeln in Erscheinung traten, sind heute zu Kunden
geworden. Allerdings müssen diese Absatzgebiete von Ostpreußen besonders er-
kämpft werden, weil naturgemäß die westlichen Gebiete sich zunächst aus den
Vorräten der nächstgelegenen Erzeugergebiete eindecken und erst in letzter Linie
auf das frachtlich ungünstige Ostpreußen zurückgreifen, mithin erst zu einer Zeit,
wo die Gelegenheit zur Ausnutzung günstiger Preischancen vorüber ist. Darüber
?) Vgl. „Die Verwertung der deutschen Kartoffelernten“, Verhandlungen und Berichte des
Unterausschusses für Landwirtschaft, Bd. 5.