thumbs: Neuere Zeit (Abt. 2)

582 Einundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel. 
jeder Menschenhandel von jeher der einträglichste Handel — 
wie die Herrschaft über die südamerikanischen Handelsbeziehungen 
durch bestimmte Festsetzungen; hinzugekommen sind in festeren 
Abrissen später noch eine Verschiebung des englischen Herr— 
schaftsbereiches in Nordamerika gegenüber dem französischen am 
St. Lorenzstrom und an den großen Seen, welche die Ver— 
treibung der Franzosen aus diesem Kontinent anbahnen konnte, 
und Handelsverträge mit den Niederlanden, Frankreich und 
Spanien, die dem englischen Kaufmann die Hegemonie in West— 
zuropa und durch Westeuropa auf dem europäischen Kontinente 
möglichst sicherten: wahrlich, es war im ganzen nicht eben 
wenig, was England als Beute davontrug: mit reichem Zins 
lohnten sich seine Aufwendungen während der Kriegszeit. Wie 
sank dagegen schon in diesen Verhandlungen die Wagschale 
des Hauses Habsburg: in Spanien sollten die Bourbonen 
herrschen, wenn auch in absoluter Trennung von der bourboni⸗ 
schen Herrschaft in Frankreich; von Kaiser Karl als König 
Karl III. war keine Rede mehr. Und die sonstigen Interessen 
der Verbündeten der Großen Allianz? Des Kaisers? des 
Reiches? der Niederlande? Nur in vagen Worten war von 
ihnen noch die Rede. 
Aber was blieb diesen Verbündeten nach der englisch— 
französischen Verständigung noch zu tun übrig? Wohl oder 
übel mußten sie sich jetzt in offizielle Friedensverhandlungen 
fügen, da sich in dem noch immer fortgeführten Kriege die 
Wirkungen der englisch-französischen Verständigung alsbald 
übel zeigten und die Franzosen in Belgien Fortschritte zu 
machen begannen. 
Im Januar 1712 wurde der Friedenskongreß zu Utrecht 
eröffnet; erst nach mehr als einjähriger Dauer führte er zu 
dem Frieden vom 11. April 1718. Die Niederlande, denen 
Ludwig XIV. im Süden am liebsten seinen Freund Max 
Emanuel von Bayern als unruhigen belgischen Nachbar gegeben 
hätte, hatten sich dieser Kombination mit Erfolg erwehrt, da 
sie auch England nicht angenehm war; Max Emanuel würde 
in Wahrheit doch nur ein Vasallenfürst Frankreichs gewesen
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.