Zunächst: Änderung des Zinssatzes. Diskontveränderungen bedeuten
Veränderungen der Kreditkosten, Einniedriger Zins regt die Unternehmungslust
an; ein hoher Zins kann sie hemmen. Wird mehr erzeugt
als abgesetzt werden kann, droht die Gefahr einer wirtschaftlichen Krise,
30 soll ein erhöhter Diskont ein Warnungszeichen sein !).
Eine auf Einschränkung des Kreditvolumens und des Preisniveaus abzielende
Diskonterhöhung zieht Geld aus dem Auslande heran und para-Iysiert
damit bis zu einem gewissen Grade die Wirkung der Diskonterhöhung
nach innen.
Nicht nach Laune und Willkür setzt die Bank den Diskontsatz fest,
aondern unter Berücksichtigung des in- und ausländischen Geldbedarfs
und der volkswirtschaftlichen Interessen. Niedriger Diskont regt den
Unternehmergeist an, hoher Diskont begünstigt das anlagesuchende Kapital.
Häufige Diskontveränderungen erschweren die Kalkulation und treffen
besonders den kleinen Geschäftsmann, während sie berufsmäßigen Spekulanten
sehr erwünscht sind. So stehen sich privatwirtschaftliche Interassen
diametral gegenüber. In Betracht kommen das Angebot und die
Nachfrage nach Leihkapitalien im Inland, weiter dann die internationalen
Verpflichtungen, d. h. das Verhältnis der Forderungen des Inlandes ans
Ausland bzw. des Auslandes ans Inland (Zahlungsbilanz) und schließlich
die Verhältnisse des internationalen Geldmarktes ?). Die wirtschaftliche
Lage, die Entwickelung von Handel und Industrie usw. bestimmen also
zewissermaßen den Diskontsatz, den die Zentralbank des Landes, wie das
Barometer das Wetter, gewissermaßen anzeigt, wobei sie öfters doch aber
genötigt ist, regulierend einzugreifen. Ein erhöhter Diskontsatz wird ein
gewisses Gleichgewicht zwischen der Nachfrage auf dem Geldmarkt und
den der Zentralbank zur Verfügung stehenden Mitteln darstellen.
1) Da der Wechsel das gesetzlich am besten geschützte, bequemste und beliebteste
Schulddokument ist — in Deutschland betrug der Wechselumlauf in der Vorkriegszeit:
7-—71/2 Milliarden M, 1928: 11,8 Milliarden RM —, so kommt eine Verteuerung
des Geldes zunächst im Wechseldiskont zum Ausdruck,
2) Nach Otto Schwarz, Diskontpolitik, Leipzig 1911, kommen Diskonterhöhungen
in Betracht 1. infolge heimischer Ursachen: a) Wirtschaftliche Hochkonjunktur
mit gesteigerter Nachfrage nach kurzfristigem Kredit; b) zu große Kapitalinvestierung
in langfristigem Kredit; c) zu starke Effekten-, Börsen- und Warenspekulation;
d) zu starke Inanspruchnahme der Mittel der Zentralbanken durch den Staat, 2. Aus
Anlaß der Beziehungen zum Auslande: a) Ungünstige Handelsbilanz; b) langfristige
Investierungen im Auslande; c) zu starke Spekulation in ausländischen Werten;
A) Ausfuhr von Gold ins Ausland aus Gründen lediglich ausländischer Interessen.
DA