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sind. Will man eine einheitliche Form haben, so muß man von
einer einzelnen Pflanze ausgehen und nur die durch Selbst-
bestäubung und immer wieder durch Selbstbestäubung erzielte
Nachkommenschaft zur Vermehrung verwenden. Diese durch
stete Selbstbestäubung eines einzelnen Individuums erzeugte
Nachkommenschaft heißt eine „reine Linie‘. Das Verfahren,
auf diese Weise einen Bestand herzustellen, in dem alle einzelnen
Pflanzen bestimmte wertvolle Eigenschaften gleichmäßig auf-
weisen, nennt man deshalb Linientrennung oder „‚Svalöf-
System‘‘, weil es in der schwedischen Versuchsstation Svalöf
zuerst bei der Getreidezüchtung angewendet worden ist.
Von der Massenselektion unterscheidet sıch die Linientrennung
dadurch sehr wesentlich, daß man bei jener die einzuılnen ge-
wünschten Eigenschatten nacheinander erzielen kann. So kann
sich die Selektion z. B. zunächst auf die Kornfarbe erstrecken;
ist die gewünschte Farbe erreicht, wird auf Lagerfestigkeit oder
Ertragreichtum ausgewählt usw., indem man stets alle Pflanzen,
die die gewünschte Eigenschaft nicht zeigen, ausmerzt. Bei einer
reinen Linie müssen dagegen alle Eigenschaften, die gewünscht
werden, bereits in der Ausgangspflanze vorhanden sein. Die
richtige, vollkommen zielbewußte Auswahl der Ausgangspflanze
ist deshalb eine unerläßliche Voraussetzung für den Erfolg der
Linientrennung (43, S. 151).
Im Gegensatz zu der heute weit verbreiteten Ansicht, daß
das Verfahren der Linientrennung für die zukünftige Reiszüch-
tung von der größten Bedeutung sei, haben jahrelange Versuche
auf Java ergeben, daß die Veredlungszüchtung mittels Auslese
reiner Linien für Reis (und ebenso für Erdnuß und Sojabohne)
unter solchen Umständen, wie man sie bei Buitenzorg und im
allgemeinen auf Java findet, als unbrauchbar betrachtet werden
muß. Sie hat in bezug auf den gleichmäßig hohen Ertrag versagt.
Die Ursache liegt in den jährlichen Schwankungen der meteo10-
logischen Werte und in der Ungleichmäßigkeit der Böden. Die
Population, d. h. das Formengemisch, das die Varietät oder
Sorte darstellt, war unter ungünstigen Verhältnissen offenbar
in besserer Lage als die reinen Linien, da sie eben aus einer