Full text: Lage und Entwicklung der landwirtschaftlichen Grossbetriebe in den östlichen Landesteilen

Für den Stichtag 30. Juni 1928 sind den Schulden die Renten- 
bank-Grundschulden zugerechnet, so daß eine gewisse nominelle 
Schuldmehrung keine echte Neuverschuldung ist. Folgende Ergebnisse 
liegen vor: 
bis 100 ha = 468 RM/ha 
von 100—200 ha = 699 RM/ha 
über 200 ha =— 595 RMha. 
So bedrohlich diese Verschuldung an sich ist, so zeigt sich doch 
sowohl hinsichtlich der absoluten Höhe als auch der Progression der 
Verschuldung das günstigere Bild bei den Kleinbetrieben. Daß die 
Entwicklungstendenz der bäuerlichen Betriebe die relativ gesundeste 
ist, wird auch durch die buchmäßigen Reinerträge bestätigt. Im all- 
gemeinen sind die Wirtschaftserträge in Pommern wegen der Un- 
wetter- und Katastrophenernte des Sommers 1927 im Jahre 1927/28 
gegenüber dem Vorjahre zurückgegangen; in fast allen Gruppen sind 
aber die Reinerträge der lastenfrei gedachten bäuerlichen Betriebe 
besser als bei den Wirtschaften über 100 ha. 
Bei der Beurteilung der Verschuldung der bäuerlichen Betriebe ist 
der hohe Anteil der Ausgedinge, der Altenteile und ähnlicher, nicht 
in unmittelbarem Zusammenhang mit der Wirtschaftsführung. stehen- 
der Lasten zu berücksichtigen, die das Bild ihrer Wirtschafts- und 
Finanzlage schlechter erscheinen lassen, als es in Wirklichkeit ist. 
Dieser Gesichtspunkt ist um so beachtlicher, als sich auch die statistisch 
in der Regel zugrunde gelegten Steuerwerte bei den Kleinbetrieben 
im Gegensatz zu den Großbetrieben unter den Verkehrswerten 
halten. 
Wenn in den letzten Jahren von den Buchführungsstellen wie von 
den landwirtschaftlichen Sachverständigen der Preußenkasse hinsicht- 
lich der absoluten Wirtschaftsreinerträge in den östlichen Landesteilen 
im Durchschnitt eine klare steigende Tendenz beobachtet wird, so ist 
damit noch wenig über die Gesundung der Landwirtschaft in diesen 
Gebieten gesagt, weil der Zinsendienst hierbei unberücksichtigt bleibt. 
Der praktische Wirtschaftserfolg hängt davon ab, ob die landwirt- 
schaftlichen Reinerträge sich schneller entwickeln als die Zinslast und 
diese überholen. Es ist dies — abgesehen von der notwendigen Neu- 
ordnung der Produktenverwertung — in vielen Fällen weniger eine 
Frage der Zins- und Kreditpolitik als eine der Qualifikation des Be- 
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