Full text: Lage und Entwicklung der landwirtschaftlichen Grossbetriebe in den östlichen Landesteilen

Die Lage des Gütermarktes in der Grenzmark, Pommern und 
Mecklenburg ist verhältnismäßig einheitlich, d. h. das Angebot an 
Land übersteigt die Nachfrage um ein Vielfaches. Nur besonders wert- 
volle, in günstiger Absatzlage befindliche Objekte finden noch Reflek- 
tanten. Die große Zahl der abgleitenden, lebensunfähigen Betriebe 
drückt auf die Kaufneigung der noch vorhandenen Interessenten. 
Wenn in den Gebieten mit besseren Böden in Vorpommern, Mecklen- 
burg und den Südteilen der Grenzmark noch ein gewisser freiwilliger 
Güterumsatz stattfindet, so ist die Tätigkeit des Güterhandels in den 
Grenzkreisen völlig zum Stillstand gekommen. Der Besitzwechsel 
beschränkt sich auf die Durchführung der Zwangsversteigerungen 
mit dem für Ostpreußen schon gekennzeichneten Resultat. 
in den Teilen Brandenburgs, die in Marktnähe Berlins oder der 
größeren Provinzstädte liegen, ist ein Güterumsatz noch vorhanden, 
der aber in den Peripheriegebieten der Provinz stark nachläßt, so daß 
hier das Bild dem der angrenzenden östlichen Nachbarprovinzen 
ähnelt. Eine Ausnahme von den dargelegten Verhältnissen ist bei der 
Gemengelage einzelner Großbetriebe mit stark bäuerlichem Areal an- 
zutreffen. Ganz allgemein ist der Landhunger und die Neigung zur 
Anliegersiedlung der bäuerlichen Bevölkerung so groß, daß in 
solchen Fällen Preise für das nackte Land angelegt werden, die sich 
erheblich über das Niveau der sonst in diesen Gebieten für ge- 
schlossene Großbetriebe einschließlich Inventar und Gebäude ge- 
zahlten erheben. 
in Niederschlesien macht sich der von den nördlichen Gebieten 
ausgehende Druck auf dem Gütermarkt ebenfalls bemerkbar. Besonders 
betroffen sind: die Grenzkreise östlich der Oder, während in den 
Gebieten westlich der Oder — vor allem den Bezirken mit starkem 
Zuckerrübenbau —, deren Ertragsfähigkeit bis heute den Gütermarkt 
intakt gehalten hat, von einer Gefährdung desselben kaum gesprochen 
werden kann. 
Ähnlich ist die Lage in Oberschlesien. In den nordöstlichen 
Teilen, in denen Großbetriebe überwiegen, ist durch die in den 
reichen Waldbeständen liegenden Kapitalreserven eine Stütze der 
abgleitenden Betriebe und damit des Gütermarktes gegeben; die 
Waldungen schaffen die Möglichkeit zum Auffangen entstandener Ver- 
luste; die Realisierbarkeit der Holzbestände erweist sich in Krisen- 
zeiten als ein wirksames Ventil zur Beseitigung des finanziellen 
1927
	        
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