Grenzen von Groß- und Bauernbetrieben hinweg läßt sich mit sinken-
der Betriebsgröße steigendes Interesse für die Preise der Veredlungs-
produkte und abnehmendes für die Preislage der Feldprodukte
erkennen.
Also auch bei den Großbetrieben liegt ein entscheidender Angel-
punkt zur Hebung ihrer Wirtschaftlichkeit in den Betriebszweigen, die
der Veredlung dienen. In allen Gebieten und Größenklassen nehmen
die Einnahmen aus der Rindviehhaltung, insbesondere der Milch-
wirtschaft, schon bei der jetzigen Verfassung eine hervorragende
Stellung ein.
Die Gesundung vornehmlich hafer-, kartoffel- und roggenbauender
Betriebe, also derjenigen, die in besonderem Maße unter dem Druck
der Überproduktion und des Nachlassens des Konsums stehen, wird
ebenso wie die Stabilisierung der unter günstigeren natürlichen Vor-
aussetzungen wirtschaftenden Güter nicht durch unorganische
handelspolitische Maßnahmen, sondern in erster Linie durch eine
Umstellung auf zeitgemäße Produktionsrichtung und -formen aller
dazu geeigneter und fähiger Betriebe erreicht werden können.
IV. Die agrarpolitische Lage.
Die Lage der ostdeutschen Großbetriebe, die 1927 als stark
gefährdet bezeichnet werden mußten, hat sich bis zum Sommer 1929
weiter verschärft. Die langsam abgleitende Tendenz der gefährdeten
Betriebe hat in dem laufenden Jahre 1929/30 infolge einer weniger
guten Ernte und des Rückgangs der Preise für die Produkte des
Feldbaues und der Viehhaltung, vor allem der Milchwirtschaft, eine
bedenkliche Beschleunigung erfahren. Ihre Auswirkungen zeigen sich
in erster Linie auf dem Gütermarkt. Auch in dem günstigsten Bezirk
Ostdeutschlands, in Schleswig-Holstein, ist der von Osten ausgehende
Druck beim Umsatz großer Güter heute fühlbar, und bereits jenseits
der Elbe beginnen sich Auswirkungen des im Osten vorliegenden
massierten Angebots zu zeigen. Der Gütermarkt der landwirtschaft-
lichen Großbetriebe steht im ganzen Reich unter dem Einfluß der ost-
deutschen Krise und löst sich in zunehmendem Umfang von der sehr
viel günstigeren Lage des Marktes für bäuerliche Betriebe.
In weiten Teilen des Ostens dauert die schleichende Krisis der
landwirtschaftlichen Großbetriebe an; es mehren sich die Fälle, in
denen die hiermit verbundene Devastierung bereits zum völligen Zu-
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