Full text: Lage und Entwicklung der landwirtschaftlichen Grossbetriebe in den östlichen Landesteilen

sammenbruch geführt hat. Der Druck auf den Gütermarkt schwächt 
die Kreditfähigkeit der gesunden Betriebe und droht, im Zusammen- 
wirken mit den unvermeidlichen Sicherungsmaßnahmen der Gläubiger, 
die Gefahrenzone über dasjenige Maß hinaus auszudehnen, das 
an sich durch die finanziellen und wirtschaftlichen Verhältnisse 
bedingt ist. 
Hinzu kommt, daß die steigenden Verluste der ländlichen Kredit. 
Institute in der Form überhöhter Zinsaufschläge auch die gesunden 
Betriebe — Großbetriebe und bäuerliche Betriebe in gleichem Um- 
fang — treffen und so im Zusammenwirken mit den Folgen der 
vielfachen Haft- und Bürgschaftsverpflichtung geeignet sind, den 
Krisenbereich zu erweitern. 
Über den landwirtschaftlichen Bereich hinaus wird das gesamte 
Wirtschaftsleben des Ostens von der Krise erfaßt. Unter ihr leidet 
dig Lebenskraft der Kommunen ebenso wie die Funktionsfähigkeit 
von Industrie und Handel. 
Die erheblich größere Widerstandsfähigkeit der bäuerlichen 
Betriebe hat sich erneut erwiesen. Die Beobachtungen der Landwirt- 
schaftlich-Betriebswirtschaftlichen Abteilungen decken sich mit den 
Erkenntnissen der Buchführungsstellen und mit denjenigen Folge- 
rungen, die sich aus den von der Deutschen Genossenschafts-Revisions- 
und Treuhand G. m. b. H. bei Einzelgenossenschaften durchgeführten 
Revisionen — das Debitorenrisiko bei Groß- und bäuerlichen Be- 
trieben betreffend — herausstellen. Wenngleich gerade auch die 
Ergebnisse der vorliegenden Erhebung die Lebensfähigkeit durch- 
organisierter Großbetriebe bei vorsichtiger finanzieller Disposition 
belegen, so darf nach dem derzeitigen Zustand der Betriebe und den 
letztjährigen Erfahrungen an der Tatsache nicht vorbeigegangen 
werden, daß es ausgeschlossen ist, einem wesentlichen Teil der not- 
leidenden Großbetriebe (Bonitätsgruppe III und IV) bei dem augen- 
blicklichen finanziellen Stand eine gefestigte Wirtschaftlichkeit wieder- 
zugeben. Auch die Durchführung handelspolitischer oder sonstiger 
Stützungs-Maßnahmen wird die Zersetzung dieser Großbetriebe 
nicht verhindern können; auf die Dauer werden sie sich angesichts 
der Umlagerung des Verbrauchs in Deutschland und im Auslande 
nicht behaupten lassen. Im Sinne der natürlichen Konsumnachfrage 
und des überwiegenden Interesses der Mehrzahl der Bauernbetriebe, 
die auf Veredlungsproduktion eingestellt sind, wird auf längere Sicht 
wichtigste Aufgabe der Agrarpolitik die Förderung der Veredlungs- 
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