Die Zahlen der einzelnen Bonitätsgruppen sind mit Rücksicht
auf ihre an den Stichtagen unterschiedliche Besetzung nicht vergleich-
bar. Im Gesamtergebnis zeigt sich bei den Eigentümern eine geringere,
bei den Pächtern eine stärkere Abnahme des Vermögens, die durch
Substanzeingriffe, also Abverkäufe oder Verminderung des nichtland-
wirtschaftlichen Vermögens, bei den Pachtbetrieben außerdem durch
die schon besprochene Abnahme der Inventarwerte bedingt ist.
Die Verschuldungszunahme ist zwar nicht erheblich — aber
vorhanden. Die Entwicklung des Gesamtkomplexes zeigt also trotz
der günstigen Ernte in dem zwischen den Erhebungen liegenden Zeit-
raum abgleitende Tendenz.
Die Struktur der Verschuldung weist gewisse Veränderungen
auf. Einer Realverschuldung von 71 % der Gesamtschulden am
30. Juni 1928 steht eine solche von 73 % am 30. Juni 1929 gegen-
über. Der Schuldfundierungsprozeß hat sich also, unterstützt durch
die staatlichen Hilfsmaßnahmen, fortgesetzt.
Bei den Eigen betrieben ist die durchschnittliche Verschul-
dung um 17 RM/ha Gesamtfläche bzw. um 24 RM/ha landwirt-
schaftlicher Nutzfläche gestiegen. Infolge der vielfach ’durchgeführten
Umschuldung ist der Zinsendienst nur unbeträchtlich gefolgt.
Die Durchschnittszahlen der Verschuldung und des Zinsen-
dienstes zum 30. Juni 1929 können im Gesamtgebiet nicht als
untragbar bezeichnet werden, sind aber dadurch bedenklich, daß
einer großen Anzahl von finanziell guten Betrieben eine starke
Gruppe hoch verschuldeter mit entsprechend höheren Zinsver-
pflichtungen.. gegenübersteht. Bei Beurteilung der Tragbarkeit ist
das Hauptgewicht auf die Zinslast je ha Nutzfläche zu legen, da
ım allgemeinen nur diese für die Aufbringung des Kapitaldienstes
in betracht kommt. In Teilen des untersuchten Gebietes wird die
Durchschnittslast kaum noch aufgebracht.
Bei den Pachtbetrieben ist eine Schuldenzunahme von
22 RM/ha Pachtfläche bzw. 23 RM/ha landwirtschaftlicher Nutz-
fläche zu beobachten, die Vermögenssubstanz hat um über 3 % ab-
genommen, Die Differenzierung des Zinsendienstes je Hektar Gesamt-
fäche von dem je Hektar Nutzfläche ist bei den Pachtbetrieben sehr
viel geringer als bei den Eigenbetrieben. Waldungen und sonstige land-
wirtschaftlich nicht nutzbare Flächen werden nur selten und in
geringem Ausmaß mit verpachtet.
SC