Full text: Lage und Entwicklung der landwirtschaftlichen Grossbetriebe in den östlichen Landesteilen

Die Schuldenzunahme bzw. -abnahme bei den Einzelbetrieben. 
Eine Auflösung der verhältnismäßig wenig bedrohlichen Durch- 
schnittszahlen der Schuldenzunahme in die Ziffern der. Einzel- 
betriebe zeigt außerordentliche Schwankungen. Betrachtet man die 
Schuldenentwicklung der Einzelbetriebe vom 30. 6. 1928 zum 
30. 6. 1929, so zeigt sich, daß diese im letzten Jahre nicht aus- 
schließlich von dem Verschuldungsgrad abhängig gewesen ist, also 
nicht allein vom Zinsendienst beeinflußt wurde, Zwar überwiegen 
in den Bonitätsgruppen I und II diejenigen Betriebe, denen es 
möglich war, ihren Kapitaldienst zu leisten; doch finden sich in den 
genannten Bonitätsgruppen Betriebe, die mit starken Verlusten 
gearbeitet haben, ebenso wie auch in den Bonitätsgruppen 111 und IV 
solche, die ihren Zins- oder Pacht- und Zinsverpflichtungen gerecht 
werden konnten. 
Am auffallendsten ist die relativ hohe Anzahl der rentierenden 
Betriebe der Bonitätsgruppe IV und die der verlustbringenden in 
Bonitätsgruppe I. Nach den Beobachtungen der Preußenkasse ist, 
wie es auch bei der Besprechung der Ortstaxen näher ausgeführt wird, 
bei einem Teil der Intensivwirtschaften in den Deflationsjahren eine 
Verschuldung eingetreten, die zu ernsten Besorgnissen Anlaß gab, 
Durch Rationalisierung des Produktionsapparates ist es manchen 
tüchtigen Betriebsleitern aber gelungen, die Verschuldungsent- 
wicklung abzufangen und ausreichend hohe Reinerträge heraus- 
zuwirtschaften. 
Entgegengesetzt ist die Entwicklung bei einem Teil der I-Betriebe 
verlaufen. In dem Bestreben, jegliche Verschuldung bei den Zins- 
sätzen der Deflationsjahre tunlichst zu vermeiden, ist seit Jahren aus 
der Substanz gewirtschaftet worden. Dieser anhaltende Sparbau 
drückt sich naturgemäß in einer Schwächung der Produktionskraft und 
der Funktionsfähigkeit des Wirtschaftsapparates aus, so daß letzten 
Endes das Eingehen neuer Schuldverpflichtungen unvermeidlich wird. 
Der Anteil der so charakterisierten Betriebe ist gering, doch kann 
diesen trotz unwesentlicher Verschuldung andevastierten Betrieben 
keine günstige Prognose gestellt werden. Die zur Wiederschaffung 
einer normalen Ertragsfähigkeit notwendigen Aufwendungen werden 
vielfach so hoch sein, daß eine Überschuldung die Folge ist. 
Das Bild, das sich in den dargestellten Bezirken auf Grund der 
erfaßten Betriebe ergibt, wird von der Preußenkasse bis auf Nieder- 
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