Full text: Der Briefwechsel zwischen Marx und Engels 1868-1883 / [hrsg. von D. Rjazanov] (Abt. 3, Briefwechsel, Bd. 4)

(1236) 1869 Jan. 29 
1236. Engels an Marx; 1869 Januar 29. 
Manchester, 29. Januar 1869. 
Lieber Mohr, 
Endlich komme ich dazu, Dir ausführlicher zu schreiben. 
Der p. p. Gimborn hat sich nicht sehen lassen. Nach Deiner Be- 
schreibung will der Kerl offenbar nichts als industriell schnüffeln. 
Die Bakuningruppe männlichen und weiblichen Geschlechts 
(deren Unterschied B[akunin] ja auch aufheben will, d. h. den 
der Geschlechter) wird also wohl still verschieden sein. Die Sache 
war zwar russisch-schlau, aber doch dumm angefangen, der ı 
Fuchsschwanz sah zu deutlich heraus und grade die Arbeiter sind 
auf diese Weise nicht zu fangen. Der alte Becker kann das „Orga- 
nisieren‘“ nun einmal nicht lassen und war ganz der Mann, in die 
Falle zu gehn. Daß er auch sonst Dummheiten macht, glaub ich 
gern, ich wollte nur, wir hätten darüber eine bessere Quelle als ı 
den Wilhelm, der nun einmal keine facts sehen kann, wie sie sind, 
Apropos, Wilhlelm] schickt mir sein Blättchen nicht mehr seit 
Neujahr; wenn er glaubt, ich würde mir’s „koofen‘“, so schneidt 
er sich. Ich bin ordentlich froh, nicht jede Woche die Lehre vor- 
gekäut zu haben, daß wir keine Revolution machen dürfen, ehe 
nicht der Bundestag, der blinde Welfe und der biedre Kurfürst 
von Hessen restauriert und am gottlosen Bismarck grausame legi- 
time Rache genommen ist, 
Die Baseler Geschichte ist sehr nett. Überhaupt marschieren 
die Sachen in der Schweiz gut. Die Sache hat freilich nur die Be- # 
deutung, daß sich dort Alles im offnen Tageslicht zeigt, was im 
übrigen Kontinent mehr oder weniger unterdrückt wird. Aber das 
ist schon sehr gut. Auch die direkte Gesetzgebung durch’s Volk 
hat dort den Sinn, daß der direkten oder indirekten Herrschaft 
der Bourgeois in den gesetzgebenden Räten entgegengetreten wer- # 
den soll. Da nämlich die Schweizer Arbeiter bis zum Genfer Strike 
so gut wie gar nicht als eigne politische Partei existierten, sondern 
nur Schwanz der radikalen Bourgeoisie waren, so wählten sie 
auch nur radikale Bourgeois in die Räte, während andrerseits die 
gewählten Bauern sich ebenfalls von den gebildeten Bourgeois # 
leicht handhaben ließen. Für kleine Kantone mag so etwas ganz 
gut sein, es wird natürlich sofort überflüssig und hindernd, sobald 
das Proletariat massenhaft in die Bewegung eintritt und heginnt. 
sie zu dominieren. 
Hübsch sind im Baseler Strike die Beiträge aus Östreich bis « 
nach Temesvar hin. Wie der alte Becker diese Geschichte mit 
seinen wüsten Deklamationen verbummelt hat, ist unverzeihlich. 
Die Vogtbroschüre nur eben hineingeguckt, gesehen, daß er die 
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Of 
7 11 (und)—12. 
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