V. Die Hanse und die nordischen Länder
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schaft in dem Bunde der Seestädte. Endlich, 1358, begegnet denn auch zum
erstenmal der Name für das, was längst bestand: die Gesamtheit der Städte
„van der dudeschen hanse“ tritt handelnd auf.
Aber kaum ist das organisatorische Werk dem gerecht geworden, was sich
in inhaltsreichen Jahrzehnten vorbereitet hatte, da muß es seine erste große
Probe im Kampf bestehen, und der Gegner, diesmal der Gesamthanse, ist
abermals Dänemark. Die früheren Vorstöße der Dänen, die für Lübeck und
die werdende Hanse so gefährlich waren, erfolgten nach Süden, bedeuteten
zine Bedrohung des Weges Lübeck—Hamburg. Die örtlichen Gegebenheiten
der Waldemarschen Kriege sind anderer Art und weisen auf die größere
Kompliziertheit, welche die Beziehungen zu Dänemark inzwischen gewonnen
natten. Die Plünderung Wisbys durch die Dänen gab den Auftakt. Im
Mittelpunkt stand aber von vornherein die Sicherung der Rechte des deut-
schen Kaufmanns auf Schonen, jener Südspitze des heutigen Schwedens,
die 1361 wieder in dänische Gewalt gekommen war. Die steigende Bedeutung
der Schonenschen Märkte, deren Gefährdung von den westdeutschen wie den
baltischen und preußischen Hansestädten als jene unerträgliche Schädigung
empfunden wurde, belebte aber die noch im 13. Jahrhundert nicht sehr hervor-
tretende Sundschiffahrt. Sund und Schonen sind damals die eigentlichen
Ursachen der kriegerischen Auseinandersetzung, sie geben den Kriegs-
schauplatz ab, sie sind das Kriegsziel: denn die Anerkennung der han-
sischen Sonderrechte auf Schonen und die Übergabe der Sundschlösser an
die Hansestädte auf 15 Jahre sind die wesentlichsten Bestimmungen des
Stralsunder Friedens vom Jahre 1370.
Es ist kein Zufall, daß dieser glänzendste kriegerische Erfolg der Hanse
Dänemark gegenüber erstritten wurde. Dänemark war eben infolge seiner
geographischen Lage so sehr das Schicksalsland der Hanse, daß dem nicht
anders sein konnte. Aber weil Dänemark die Fahrt durch die Meerengen
Sund und Belt beherrschte, deshalb hielt es auch den Erisapfel in seinen
Händen, der späterhin der Einheit der hansischen Städte verhängnisvoll
wurde,
Schon während der Waldemarschen Kriege waren nach dem ersten unglück-
lichen Feldzuge die Interessen der preußischen Städte und der Städte von
der Zuidersee einerseits, der wendischen Städte andrerseits auseinander-
gegangen. Der kurzsichtige Siegerübermut Waldemars hatte sie wieder
zusammengeführt. Aber schon der Verlauf der Dinge nach dem Stralsunder
Frieden ließ erkennen, daß diese Gegensätze einen so tiefen inneren Grund
hatten, daß sie auf die Dauer nicht zu überbrücken waren, Mit einigem Er-
staunen hat man auf die zurückhaltende, bis an Zaghaftigkeit und Schwäch-
lichkeit streifende Politik der Hanse unmittelbar nach ihrem größten mili-
tärischen Erfolge hingewiesen. Es entbehrt nicht eines tragischen Zuges,
Jaß gerade auf dieser Höhe des Erreichten alle offenen und verborgenen
Rörig, Hansische Beiträge.