Full text: Der Briefwechsel zwischen Marx und Engels 1868-1883 / [hrsg. von D. Rjazanov] (Abt. 3, Briefwechsel, Bd. 4)

(1093) 1868 Jan. 8 
Briefes des Obersten, der die ganze Sache vermittelt hat. Wür- 
temberg ist nun hinreichend versehn. Nach meiner Ansicht — mit 
spezieller Rücksicht auf den Verkauf — ist Östreich nun am 
wichtigsten. Notabene, wenn Du die Geduld hast, noch mehr Re- 
5 zepte zu schreiben. Jennychen, ein Kenner im Fach, behauptet, 
daß Du großes dramatisches Talent entwickeltest, resp. komisches, 
in dieser Aktion von „verschiednen“ Standpunkten und mit ver- 
schiednen Charaktermasken. 
Dem Wilhelmchen werde ich dieser Tage — ich bin immer noch 
10 etwas malt und wenig zum Schreiben passend —, sobald ich mich 
wieder ganz auf dem Strumpf fühle, einige Rutenstreiche zukom- 
men lassen. Namentlich wegen seiner Identifikation meiner An- 
sicht mit der spezifisch Wilhelmschen. 
Die Sache von Dühring (er ist Privatdozent an der Berliner 
15 Universität) ist sehr anständig, so mehr, als ich seinen Meister 
„Carey“ so hart angelassen habe. Verschiednes hat D[ühring] 
offenbar mißverstanden. Das drolligste aber, daß er mich mit 
Stein zusammenstellt, weil ich Dialektik treibe und Stein in höl- 
zernen Trichotomien, mit einigen hegelschen Kategorieumschlä- 
z% gen, das Allertrivialste gedankenlos zusammenreiht. 
Hast Du Borkheims „Perle“ schon erhalten? 
Es scheint, daß professionelle Poesie bloß eine Maske für den 
allertrockensten Prosaismus ist. Z. B. unsre Freiligrathfamilie. 
Kate reist (zur Hochzeitsreise) mit dem jungen Kornwuchrer 
%5 Kröker nach Paris. Da dieser Edle aber zugleich „Geschäfte“ ab- 
zumachen, läßt er Besagte 2—3 Tage allein in einem der 
großen Pariser Hotels. Kate und die ganze family finden das in 
der Ordnung. Ja Kl[ate] schreibt entzückt, daß man sie in dem 
Hotel „Mademoiselle‘“ nennt (nachdem sie daselbst mit Kröker 
io gemeinschaftlich genachtlagert) und daß alle Kellner und sogar 
der Portier ihr freundlich „zunicken‘“, Noch mehr. Kröker kehrt 
von Paris (nachdem er den Geschäftsausflug in die Provinz ge- 
macht) direkt mit Klate] nach London zurück, und die ganze Fa- 
milie ist entzückt darüber, daß der „honeymoon“ nun 6 Monate 
» vertagt ist, da das Geschäft „vor alles“ geht. Für einen Poeten ist 
ja der honeymoon auch nur eine Redeblume und kann vor oder 
nach der Entbindung gefeuert“ werden (die Tatsachen sind von 
den Freiligraths Jungen bei mir im Hause erzählt worden), vorn 
oder hinten. Das Kate scheint sogar den Clauren gelesen zu haben, 
denn sie beschreibt sich — von Paris aus — als „Strohwitwe“, 
Die Yankees werden dem John Bull was Angenehmes vor- 
pfeifen. Was sagst Du von den letzten Rodomontaden der Russen? 
_ Der Zwerg Alberich war sehr entzückt von Deinem Brief. Er 
ist eben in die Turnschule, wo er Großes leistet. 
Salut. Dein K. M. 
Z. — 1—13. 
21—40. 
43 — enl
	        
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