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(1318) 1869 Nov. 12
Sehr schön waren die letzten Meetings in Irland, wo die Pfaf-
fen beim Kragen gepackt und von der Rednerbühne entfernt wur-
den. Statt des Programms über Irland, wozu kein rechter Anlaß,
habe ich (um Resolutionen zu nehmen) für nächsten Dienstag auf
die Tagesordnung setzen lassen:
1. Verfahren des englischen Ministeriums in der irischen Am-
nestiefrage!
2. Die Stellung der englischen Arbeiterklasse zur irischen
Frage.
Salut.
Dein K. M. z0
1319. Engels an Marx; 1869 November 17.
Manchester, 17. November 1869.
Lieber Mohr,
Ich hoffe, der Arsenik und die Bewegung wird dem bewußten
„Bedenklichen‘“ ein rasches Zoruck zugedonnert haben. Aber ı5
ebenso hoffe ich, daß Du aus diesen stets erneuerten Rückfällen
endlich zu dem Schluß kommen wirst, daß eine rationellere Le-
bensweise angefangen werden muß. Du selbst vergiftest Dein
Blut, indem Du Dir eine regelmäßige Verdauung unmöglich
machst. Und arbeitest dabei sicher nicht dasselbe Quantum (und z
Quale) fertig, was Du unter normalen Verhältnissen fertig bräch-
test.
Das idyllische Drama „Familienglück coram Philistaco“ ist
wirklich bezaubernd. Man weiß nicht, was man mehr bewundern
soll, die Fadaise der Reden und Poeten (nur unterbrochen von 2
dem schlechtsinnigen Blödsinn des versoffenen Karl Beck) oder
die Zudringlichkeit der Familie, die Solches als „Manuskript für
Freunde“ (also public für Nichtfreunde) drucken läßt.
Wie aber ein edler Freiligrath die kühnen Worte eines zartfüh-
lenden Walesrode kann drucken lassen: daß der Dichter F reil[ig- 30
rath] es auch in den Gütern dieser Welt zu etwas gebracht (durch
den Bettel), das ist mir nicht so ganz klar. Ich hätte die Gesich-
ter sehen mögen in der Familie, als diese Worte fielen.
Monsieur Ledru[-Rollin] rechnet sicher auf nichts Andres als
Diktatur. Louis Bläncchen taucht ja auch wieder auf, als ob gar ss
nichts vorgefallen wäre — warum nicht die Andern? Aus der
Bourgeoispresse ist in einem Moment wie der jetzige gar Nichts
zu ersehn über das, was wirklich vorfällt, und selbst die revolu-
tionäre Presse reicht nicht hin, Einen aufzuklären. Sicher ist die
Konfusion groß, ebenso sicher aber auch die Krisis noch nicht so £
sehr nah. Dennoch hat ein General in Paris gesagt: Nous avons en-
sore un Empereur, mais l’empire n’existe plus.