Full text: Der Briefwechsel zwischen Marx und Engels 1868-1883 / [hrsg. von D. Rjazanov] (Abt. 3, Briefwechsel, Bd. 4)

(1095) 1868 Jan. 10 
1095. Engelsan Marx; 1868 Januar 10. 
10. Januar 1868. 
Lieber Mohr, 
Ich wollte Dir heute ausführlich schreiben, aber die Interven- 
tion eines Serben und eines Walachen, die mich stundenlang auf- 
hielten, haben meine Pläne durchkreuzt. Dazu hatte ich gestern 
den Besuch des Exdiktators Amand Goegg, welcher für die lächer- 
liche Friedensliga reist und mir den Abend verdarb. Glücklicher 
Weise kam Schorlemmer zufällig dazu, der sein blaues Wunder 
io an diesem fossilen Stück Föderalrepublik erlebte; so was hatte er 
nicht für möglich gehalten. Das dumme Vieh ist durch die ge- 
dankenlose Repetition derselben Phrasen noch 10mal dummer ge- 
worden und hat alle Berührungspunkte mit der Welt des gesunden 
Menschenverstandes (von eigentlichem Denken nicht zu sprechen) 
5 verloren. Außer der Schweiz und dem Kanton Badisch gibt es für 
diese Sorte noch immer nichts in der Welt. Er überzeugte sich 
indes bald von der Wahrheit Deiner ersten Antwort auf seine Auf- 
[orderung zur Unterstützung: daß, je weiter wir voneinander wohn- 
ten und je weniger wir miteinander zu tun hätten, desto besser wür- 
den wir uns vertragen. Er gab zu, daß Blind in der Vogtsache sich 
feig benommen, sei aber doch ein braver Kerl, und er drohte 
sogar damit, Dich und Blind versöhnen zu wollen! Vogt — kein 
Politiker, aber ein kreuzguter, braver Kerl, der bloß in den Tag 
hineinschreibe, ohne zu überlegen, was — wenn wir 2 eine Stunde 
# mit ihm zusammen wären, so würden wir schmollieren —; daß er 
ein Bonapartist, gab er zu, aber kein bezahlter. Darauf ich: alle 
Bonapartisten seien bezahlt, es gebe keinen unbezahlten, und wenn 
ar mir einen unbezahlten aufweisen könne, so würde ich die 
Möglichkeit von Vogts Nichtbezahltheit annehmen, sonst nicht. 
Dies frappierte ihn, endlich aber entdeckte er einen — Ludwig 
Bamberger! Übrigens sagte er, Vogt sei*) es fortwährend sehr 
schlecht gegangen, seine Frau ‚sei ein Berner Oberländisches 
Bauernmädel, die er aus Tugend geheiratet, nachdem er ihr ein 
Kind gemacht. Der Schlauberger Vogt scheint diesen Esel gut hin- 
ters Licht geführt zu haben. Aber als Sch[orlemmer] und ich ihm 
erklärten, daß Vogt auch als Naturforscher nichts geleistet, da 
hättest Du seinen Zorn sehen sollen: Hat er nicht populari- 
siert? Ist das kein Verdienst? 
Für Wien werde ich jetzt sobald irgend möglich etwas machen. 
vo Ferner für die Fortnightly, aber vorerst wäre zu wissen, ob man 
einen größeren Artikel daraus machen kann oder nur eine kurze 
Anzeige wie sie hinten in der Fortn[ightly} stehn. Darüber wäre 
1) Im Orig. irrtümlich habe 
»mn 
7.11 (Das)—15. 32 (seine) —34.
	        
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