(1386) 1870 /Juli31
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brochne Aktion ruhig wieder aufnehmen, als wäre gar nichts vor-
gefallen.
Mein Vertrauen in die militärischen Leistungen der Deutschen
wächst mit jedem Tage. Das erste ernstliche Gefecht hätten wir
5 also richtig gewonnen. Die Franzosen scheinen noch gar nicht zu
wissen, was man ihnen mit dem Hinterlader für ein Ding in die
Hand gegeben.
Das Spiel, das Moltke spielt, ist sehr gewagt. Nach meiner Be-
rechnung ist er mit seiner Konzentrierung vor Dienstag oder Mitt-
o woch nicht fertig. Von Aachen bis zur Grenze sind ca. zwanzig
deutsche Meilen, 4—5 starke Märsche, besonders bei der Hitze.
Also kann das 7. Korps kaum vor morgen vollständig an der Saar
stehn, und heute ist möglicher Weise schon die Hauptschlacht.
Jedenfalls ist es so finely cut, daß 24 Stunden mehr oder weniger
5 ungeheuer viel ausmachen werden. Die eigentliche Schlacht wird
wohl an der Saar zwischen Merzig und Saarbrücken stattfinden.
Es ist gut, daß die Franzosen zuerst auf deutschem Gebiet ange-
griffen haben. Wenn die Deutschen einer abgeschlagenen Invasion
auf dem Fuß folgen, so macht das in Frankreich sicher nicht den-
» selben Effekt, als wenn sie ohne vorherige Invasion nach Frank-
reich einmarschieren. Der Krieg bleibt auf französischer Seite da-
durch mehr bonapartistisch.
Der schließliche Erfolg — daß die Deutschen am Ende sie-
gen — ist mir ganz unzweifelhaft, der Plan von Moltke verrät aber
x die absolute Gewißheit, in der ersten Schlacht mit er-
drückender Überlegenheit auftreten zu können. Wir werden wohl
schon Dienstag Abend wissen, ob er sich nicht verrechnet hat. Der
Moltke rechnet oft ohne seinen Wilhelm.
Je mehr der deutsche Philister vor seinem gottvertrauenden und
% vor Gott kriechenden Wilhelm kriecht, desto frecher wird er gegen
Frankreich. Das alte Geheul von Elsaß und Lothringen ist schon
wieder ganz flott im Gange — die Augsburger voran. Die loth-
ringer Bauern werden es aber den Preußen schon beibringen. daß
das so einfach nicht ist.
Wegen des Vertrags hast Du ganz Recht. Die Leute sind nicht
ganz so dumm, wie Bismarck sich einbildet. Die Sache hat nur das
Gute, daß jetzt der ganze Dreck an den Tag muß, und dann, daß
zwischen Bismarck und Bonaparte die Mogelei jetzt am Ende ist.
In der ganzen Neutralitätsgeschichte, Kohlen inklusive, beneh-
u men sich die Deutschen ganz geschichtsgemäß als Kinder. Das sind
Fragen, die dem Volk noch nie vorgekommen sind, Wer hat
denn je nach ihnen gefragt?
Die Russen inliegend zurück. Ruß bleibt Ruß. Was ist das für
eine Klatschmichelei, sechs Russen zanken sich untereinander, als
1 ob die Herrschaft der Welt vom Resultat abhinge. Und die An-