Full text: Der Briefwechsel zwischen Marx und Engels 1868-1883 / [hrsg. von D. Rjazanov] (Abt. 3, Briefwechsel, Bd. 4)

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(1394) 1870 Aug. 10 
doch vor der Hand noch, daß man sich mit weniger begnügen wird. 
Etwas Land wird Frankreich wohl lassen müssen. Und daß der 
Slan von 1793 sich reproduziere, und zwar wirksam, dazu ge- 
hören auch die Feinde von 1793, und, wie Du mit Recht sagst, 
auch etwas andre Franzosen, als die soeben aus dem bas empire 
kommen. 
Ich vermute übrigens, daß die Preußen schon mit den Orleans 
Verhandlungen gehabt haben. 
Daß Bismarck in Wien gewesen, scheint mir ein dortiges Bör- 
sengerede. Wien ist stark darin. 
Was Du wegen der Russen sagst, auch ganz meine Meinung. 
Und lange wird’s nicht dauern, bis es dahin kommt. Ich bin über- 
zeugt, Bismarck wird sich für diesen Fall die Franzosen im voraus 
menagieren. 
Über die Strategie des Badinguet gestern (leader) und heute 
Abend in der P[all} M{all] G[azette]. Seitdem noch neue Dumm- 
heiten entdeckt. Das 7. Korps Felix Douai ist erst am 1. August von 
Belfort ganz gemütlich nach Altkirch marschiert und wird also 
jetzt, da die Linie Straßburg-Nancy bei Zabern von den Deutschen 
besetzt ist oder sein wird, über Vesoul und Chaumont nach Metz % 
oder Chalons befördert werden müssen. Solch eine Sauerei ist noch 
nicht dagewesen. Ausgezeichnet, daß grade die Deutschen diesen 
ganzen Schwindel mit Einem Schlage auflösen! 
Welche Vorstellungen man sich in der französischen Armee vom 
Gegner gemacht, geht am Besten aus den seit Sonntag im Temps z 
veröffentlichten Briefen vom Kapitän Jeannerod hervor. Der 
Biedermann wurde in Saarbrücken gefangen und sah das 8. Korps 
(unsere Rheinländer).. Das Erstaunen des Kerls ist zum Totlachen. 
Gleich der erste Anblick des preußischen Lagers imponiert ihm 
enorm. Une belle et bonne armee, une nation fortement organisee 3 
pour la guerre, zeigt sich ihm in Allem, bis zum preußischen 
Unteroffizier, dessen valeur morale, malheureusement digne 
ist d’ötre envige par nous! Und das war noch Einer der Gescheite- 
sten, der selbst gut Deutsch kann! Auch gibt er zu, daß die Preu- 
ßen weit besser schießen als die Franzosen. 
Die Deutschen haben jetzt 14 Millionen Soldaten unter den 
Waffen, so daß selbst 100 000—200 000 Italiener (= der Hälfte 
Franzosen) wenig Unterschied machen. Östreich riskiert eine Re- 
volution in Wien, wenn es sich rührt. Rußland wird wohl safe sein, 
bis der Friede geschlossen oder eine revolutionäre Regierung in « 
Paris ist, auf die bei Mogeleien kein Verlaß ist. Man wird sich 
allerseits hüten, den in Wut gehetzten deutschen Michel noch mehr 
zu reizen. Du siehst aber, wie recht ich hatte, in dieser preußischen 
Militärorganisation eine ganz enorme Kraft zu sehn, die bei einem 
Nationalkrier, wie jetzt. vollständig unbesiegbar ist. 
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