Full text: Der Briefwechsel zwischen Marx und Engels 1868-1883 / [hrsg. von D. Rjazanov] (Abt. 3, Briefwechsel, Bd. 4)

(1398) 1870 Aug. 15 
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ziale Revolution zu machen, und noch dazu in Wilhelms gelieb- 
ten X-Kleinstaaten! 
Wie hübsch das arme Kerlchen mich auch zu denunzieren sucht 
wegen etwas, das in der Elberfelder Zeitung gestanden haben 
5 „soll“! Armes Tier! 
Der debäcle in Frankreich scheint greulich. Alles verlottert, 
verkauft, verschwindelt. Die chassepots schlecht gearbeitet und 
versagen im Gefecht, es sind keine mehr da, die alten Steinschloß- 
finten sollen wieder herausgesucht werden. Trotzdem braucht eine 
0 revolutionäre Regierung, wenn sie bald kommt, nicht zu ver- 
zweifeln. Sie muß aber Paris seinem Schicksal überlassen und den 
Krieg vom Süden aus weiterführen. Es ist dann noch immer mög- 
lich, daß sie sich so lange halten kann, bis Waffen aufgekauft und 
neue Heere organisiert sind, mit denen der Feind allmählich wie- 
* der bis an die Grenze zurückgedrückt wird. Das wäre eigentlich 
das wahre Ende des Kriegs, daß beide Länder sich gegenseitig den 
Beweis ihrer Unbesiegbarkeit liefern. Aber wenn das nicht bald 
geschieht, so ist die Komödie aus. Moltkes Operationen sind ganz 
musterhaft — der alte Wilh[elm] scheint ihn ganz gewähren zu las- 
% sen, und die 4. Bataillone rücken bereits bei der Armee ein, wäh- 
rend die französischen noch nicht existieren. 
Wenn Badinguet nicht schon von Metz fort ist, kann’s ihm 
schlimm gehn. 
Für den Rheumatismus ist das Seebad nicht gut. Aber Gumpert 
% — der in Wales ist auf 4 Wochen — behauptet, die Seeluft sei 
das besonders Wirksame. Ich hoffe, Du wirst die Schmerzen bald 
los, es ist was ganz Infames. Jedenfalls ist’s nicht gefährlich und 
die Herstellung der allgemeinen Gesundheit viel wichtiger. 
Beste Grüße. 
Dein F. E. 
Du siehst übrigens, wie der elende Wilh[elm] fortwährend mit 
den reaktionären Partikularisten — Wulster, Obermüller usw., 
mogelt und die Partei hineinreitet. 
Wilhelm hat offenbar auf Sieg des Bonaparte gerechnet, bloß 
damit sein Bismarck dabei draufgehe. Du erinnerst Dich, wie er 
ihm immer mit den Franzosen drohte. Du bist natürlich auch auf 
Wilhelms Seite! 
IR 
7838. 31-—33.
	        
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