Full text: Der Briefwechsel zwischen Marx und Engels 1868-1883 / [hrsg. von D. Rjazanov] (Abt. 3, Briefwechsel, Bd. 4)

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(1402) 1870 Aug. 20 
lutionäre Regierung gebildet, so wäre noch was zu machen gewe- 
sein. Jetzt kommt sie zu spät und kann sich nur noch lächerlich 
machen durch Parodie des Konvents. Ich bin überzeugt, Bismarck 
hätte mit einer revolutionären Regierung, die rechtzeitig auftrat, 
Frieden ohne Gebietsabtretung geschlossen. Aber wo Frankreich 
sich wie jetzt benimmt, hat er keinen Grund, dem Drängen von 
Außen und seiner eignen Eitelkeit von Innen zu widerstehn. Es 
ist ein großes Pech, aber es scheint mir unvermeidlich, Wenn 
Deutschland Ein Staat wäre wie Frankreich, so wäre die Sache 
noch eher zu entschuldigen. Aber so, wo das Eroberte zwischen 1 
den drei Grenznachbarn geteilt werden muß, es ist lächerlich. 
Noch lächerlicher, daß die Deutschen sich im Westen ein 
deutsch redendes Venetien anhängen wollen. Das gewichtige 
Pamphlet des schwerwiegenden Blind werde ich mir zu verschaf- 
fen suchen, es wird aber wohl zu spät kommen. 
Was sagst Du zu Mack-Bazaine? Mack-Mahon war schon 
schlimm genug, jetzt kommt Mack (von Ulm) tout court. Es wird 
denn doch gar zu toll, wenn 120000 Franzosen das Gewehr strek- 
ken müssen, und das wird wohl davon kommen. Der alte Stein- 
esel Wilhelm, noch auf seine alten Tage Metz la pucelle zu de- % 
florieren! Solch eine degringolade ist indes noch nicht dagewesen, 
wie dies 2. empire sie liefert. Ich bin nur begierig, ob die Pa- 
riser sich nicht endlich einmal aufraffen, wenn sie die Wahrheit 
über die letzte Woche erfahren. Nützen kann’s freilich nichts 
mehr. Die Demolierungen um Paris, um es verteidigungsfähig zu % 
machen, sind so kolossal, daß ich mir gar nicht denken kann, daß 
sie ordentlich ausgeführt werden. Seit 1840 hat sich die Bevölke- 
rung der Stadt fast verdreifacht, die Ernährungsschwierigkeiten 
auch. Endlich ist aller Warenverkehr jetzt so sehr auf Eisen- 
bahnen basiert, daß es nach Sprengung einiger Bahnbrücken auf % 
jeder Linie fast unmöglich sein wird, zu Wagen irgendwelche 
nennenswerte Vorräte in die Stadt zu bringen, selbst bei nur un- 
vollkommner Blockade. 
Die Verluste voriger Woche müssen ungeheuer sein. Die Deut- 
schen sind im ganzen Krieg stets mit der größten Resolution mit * 
dem Bajonett draufgegangen, und jetzt auch die Kavallerie gegen 
unerschütterte Infanterie, dabei müssen die Leute gefallen sein 
wie die Fliegen. Der schöne Wilhelm sagt darüber auch gar nichts. 
So viel ist aber sicher, Mann gegen Mann, Bataillon gegen Bata- 
illon haben die Deutschen den Franzosen gegenüber die entschie- “ 
denste Überlegenheit bewiesen. Zuerst bei Spichern 27 Bataillone 
gegen 42 (mindestens) Bataillone Franzosen, die eine fast un- 
einnehmbare Position hatten. Nach der Schlacht vom Donnerstag 
wird die Demoralisation im französischen Lager nicht mehr zu 
halten sein. .
	        
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