Full text : Der Briefwechsel zwischen Marx und Engels 1868-1883 / [hrsg. von D. Rjazanov] (Abt. 3, Briefwechsel, Bd. 4)

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Erstes  Buch.  Die  Begründer.

Es  muß  sogar  der  Augenblick  kommen,  in  dem  der  notwendige  Lohn
alles  aufzehrt,  und  für  den  Profit  nichts  mehr  übrig  bleibt.  Dann  wird
eine  neue  Ära  in  der  Geschichte  beginnen;  denn,  wenn  alle  Beweggründe
zur  Ansammlung  von  Kapitalien  mit  dem  Verschwinden  des  Kapitalprofits
  wegfallen,  wird  das  Kapital  nicht  weiter  wachsen,  kein  neues  Land
wird  mehr  unter  Kultur  genommen  werden,  und  gleichzeitig  wird  die
Bevölkerung  die  definitive  und  letzte  Grenze  erreicht  haben 1 ).  Der
„stationäre  Zustand“  wird  eingetreten  sein.  Eine  trübselige  Aussicht!
die  aber  später  Stuart  Mild  in  einer  so  beredten  Sprache  beschreiben
sollte,  daß  man  sich  fast  damit  aussöhnen  möchte.  Doch  befriedigte  sie
Ricardo  nicht,  der  ein  großer  Finanzmann  und  keineswegs  ein  Philosoph
war.  Er  fand  seine  eigenen  Prophezeiungen  höchst  erschreckend,  und  in
Wirklichkeit  liegt  auch  eine  merkwürdige  Ironie  in  der  Tatsache,  daß  das
Gesetz  des  endlos  sinkenden  Gewinnes  zuerst  von  einem  großen  Vertreter
des  Kapitalismus  entdeckt  worden  ist.  Wenn  ihn  etwas  beruhigte,  so
war  es  die  Betrachtung  der  gegenwirkenden  Kräfte,  die  das  Sinken  des
Profits  zur  gleichen  Zeit  wie  das  Steigen  der  Rente  in  Schranken  halten
konnten:  die  wirksamste  dieser  Kräfte  erblickte  er  in  der  Freiheit  des
Außenhandels  (siehe  den  folg.  §  3).
Im  großen  und  ganzen  treten  jetzt  die  allgemeinen  Grundzüge  der
Einkommensverteilung  mit  eindrucksvoller  Einfachheit  hervor,  viel  klarer,
als  in  dem  berühmten  „Tableau  Economique“  Quesnay’s,  und  der  Wirklichkeit ­
  viel  näher,  —  wenigstens  für  die  Zustände,  wie  sie  zur  Zeit  Ricardo  s
in  England  bestanden,  denn  heute  fügen  sie  sich  nicht  mehr  den  Tatsachen ­
  ein.  Man  könnte  sie  in  einem  Diagramm  dreier  Linien  veranschaulichen. ­

Die  obere  steigende  Linie  würde  den  Anteil  des  Bodens,  die  Bodenrente, ­
  darstellen.  Die  Rente  des  Grundbesitzes  wächst  in  zweifacher
Weise:  in  natura  und  in  Geld,  denn  im  Maßstab,  wie  die  Bevölkerung
oder  die  Bedürfnisse  steigen,  erhält  er  eine  immer  größere  Menge  Getreide,
das  immer  teuerer  wird.  Jedoch  kann  dieses  Wachstum  nicht  endlos  sich
fortsetzen,  denn,  an  einem  bestimmten  Punkt  angelangt,  verhindert  die
Erhöhung  des  Getreidepreises  den  weiteren  Bevölkerungszuwachs  und
folglich  zur  gleichen  Zeit  auch  die  weitere  Steigerung  der  Rente,  da,  wenn
die  Bevölkerung  aufhört  zu  wachsen,  es  dann  nicht  mehr  nötig  sein  würde,
neuen  Boden  in  Bewirtschaftung  zu  nehmen.
In  der  Mitte  würde  eine  horizontale  Linie  den  Anteil  der  Arbeit,
den  Lohn,  darstellen.  Der  Reallohn  des  Arbeiters  bleibt  stationär,  denn
er  erhält  stets  nur  die  zu  seinem  Lebensunterhalt  nötige  Getreidemenge,

q  „Sobald  die  Löhne  die  Gesamtsumme  der  Einnahmen  des  Pächters
haben,  kann  keine  Anhäufung  von  Kapital  mehr  stattfinden,  da  kein  weiteres  r
Zinsen  abwerfen  kann;  eine  weitere  Vermehrung  der  Arbeit  (lies:  Arbeiter)  ist
unnötig,  und  die  Bevölkerung  hat  ihr  Maximum  erreicht.“

erreicht
Kapita 1
            
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