Full text : Der Briefwechsel zwischen Marx und Engels 1868-1883 / [hrsg. von D. Rjazanov] (Abt. 3, Briefwechsel, Bd. 4)

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(1453) 1876 Aug. 19

Nest), von wo wir wieder zwei ganze Stunden (auf der entgegengesetzten
 Seite der Hinfahrt) zurückzufahren hatten, um endlich
um Mitternacht in Weiden anzukommen. Hier war wieder der einzige
 dort existierende Gasthof überfüllt, so daß wir auf den harten
Stühlen der Eisenbahnstation bis 4 Uhr Morgens auszuharren hatten.
 Im Ganzen befanden wir uns 28 Stunden auf Reise von Köln
bis Karlsbad! Dabei eine schamlose Hitze!
Was wir den nächsten Tag in Karlsbad (wo es seit 6 Wochen
nicht geregnet) von allen Seiten hörten und selbst an eigner Haut
erfuhren — war Wärmeüberfluß! Daneben Mangel an Wasser; 10
die Tepl sieht ganz ausgesaugt aus. Die Entwaldung hat sie in
den artigen Zustand versetzt, daß sie in regenreicher Zeit (wie
1872) alles überschwemmt, in heißen Jahren ganz alle wird.
Im Übrigen hat die übertriebne Wärme seit 3 Tagen nachgelassen,
 und fanden wir auch während der ganz heißen Tage mir alt- 15
bekannte Waldschluchten, wo es erträglich war.
Tussychen, die während der Reise ziemlich leidend war, erholt
sich hier zusehend, und auf mich wirkt Karlsbad wie immer wundervoll.
 Ich hatte während der letzten Monate Wiederbeginn des
widerlichen Kopfdrucks. der jetzt schon wieder ganz verschwun- zo
den ist.
Eine mich höchst frappierende Neuigkeit teilte mir Dr. Fleckles
 mit. Ich frug ihn, ob seine Cousine, Madame Wollmann aus
Paris, anwesend sei, die ich vergangnes Jahr kennen gelernt und
die eine sehr interessante Dame ist. Er erwiderte mir, daß ihr 2
Mann sein ganzes Vermögen, und dazu das Vermögen seiner Frau,
in Spekulation auf der Pariser Börse verloren, so daß die Familie
sich in hoffnungslosem Zustand in einen Winkel in Deutschland
zurückziehn mußte. Das Kuriose an dieser Affaire ist dies: Herr
Wollmann hatte ein großes Vermögen in Paris gemacht als Far- z
benfabrikant; er hatte nie an der Börse gespielt, sondern das Geld,
das er nicht im Geschäft brauchte (ebenso wie das seiner Frau)
ruhig in östreichischen Staatspapieren untergebracht. Auf einmal
fing’s ihm an, im Kopf zu rappeln; er betrachtet den Staat Östreich
 als unsicher, verkauft alle seine Papiere; und ganz im
Geheimen, ohne Vorwissen seiner Frau und der ihm befreundeten
 Heine und Rothschild, macht er auf der Börse in Haussespekulation
 auf — türkische und peruanische Papiere!, bis der letzte
Heller zum Teufel ist. Die arme Frau war eben beschäftigt, ihr
neugemietetes Hotel in Paris einzurichten, als sie eines schönen 4
Morgens ganz ohne jegliche Vorbereitung hört, daß sie Bettlerin.
Professor Friedberg (an der Universität Breslau, Mediziner)
erzählt mir heute, daß der große Lasker einen anonymen Halbroman
 herausgegeben, betitelt: „Erfahrungen einer Mannesseele“,
 Eingeleitet sind diese hochbrüstigen Erfahrungen #

De m

—16

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