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(1534) 1882 Aug. 3
und entwickelte unter den spezifischen Umständen Eigenschaften,
die in London schlummern.
Tussy und Laura haben sich noch nicht gesehn und sehnen sich
kaum danach. Doch müssen sie schon Anstands halber einmal
mindestens einander bei mir treffen.
Zunächst nun Gesundheitsbericht. Meine Kur begann 17. Juni.
Das Wetter bis jetzt war so wenig durchschnittliches Sommer-
wetter (französisches), daß die Saison, die zu Enghien im Juni
beginnt, als failure Seitens des etablissement thermal betrachtet
wird, und man hofft auf „Besseres“ für August und September.
Beständiger Wechsel der Temperatur, viel umwölkter Himmel,
namentlich des Vormittags nach Regen und orages aus-
blickend, heftige Winde, mit Wasserdämpfen schwangere Luft,
daher häufig une chaleur lourde, alias Londoner „close“ status.
Mit Mühe haben sich die Franzosen der englischen Allianz ent- ı:
wehrt; dagegen scheint englisches Klima (I mean speziell das
Londoner Klima) sich mehr und mehr hier zu Paris und Um-
gebung zu naturalisieren. Wenigstens dies Jahr ist’s so. Natürlich,
dazwischen auch schöne einzelne Tage oder Tagfragmente. Unter
diesen Umständen ist meine Kur mit „angenehmen Hindernissen“ z
zu ringen. Lenchen wird sich erinnern, daß an einem bestimmten
Tag sowohl Dr. Feugiers Examination als die ein paar Stunden
später von Dr. Dourlen vorgenommene gleichlautend ergaben: die
rälements seien verschwunden, damit auch der „bronchiale“ Cha-
rakter des Katarrhs eliminiert. Ich teilte Dir „solches“ nicht mit; 2:
es ahnte mir, daß dieser Bronchialkatarrh keineswegs sein letztes
Wort geröchelt. In der Tat, bei momentan verschlechtertem Wetter
röchelte es von neuem. Daß der Husten nicht „verschwunden“ war
(natürlich viel mehr gemildert), wußte ich; aber Rest von Husten
könnte bleiben, nachdem sein Charakter sich verändert. &
Auch letzten Montag (31. Juli) fand Dr. Feugier bei Auskulta-
tion, daß das Röcheln immer noch fortwährt, wenn auch schwä-
cher; das Wetter sei speziell grad für diese Arten Krankheiten bös-
lich widrig. Im Durchschnitt brauchen die Patienten nur während
3 Wochen die Schwefelkur; viele Leute könnten in der Tat nicht zs
länger es ertragen, ohne sich Fieberanfällen etc. auszusetzen. Bei
meiner sonst kräftigeren Konstitution halte er es für das beste,
bis Mitte August — da auch mein Husten namentlich Mor-
gens noch störend — die Kur zu verlängern, mit inhalation, baths,
douches und Schwefelquelletrinken; über diesen Termin hinaus w
würde es zweckwidrig. Natürlich füge ich mich durchaus dem
ärztlichen Rat. Allerdings wird es andrerseits wohl zu spät für
den Engadinplan; sowohl Feugier wie Dourlen fürchten, ich könne
mich sonst Temperatur adventures aussetzen, die man vor allem
in meinem Zustand nicht ohne Notwendigkeit herausfordere. Ich &
ta. aD —