(1566) 1882 Dez, 19
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Aber physikalische Arbeit ist darum noch Jange keine ökono-
mische Arbeit. Die von den 10000 WE geleistete ökonomische
Arbeit besteht keineswegs in der Reproduktion derselben
10000 WE ganz oder teilweise, in dieser oder jener Form. Diese
gehn im Gegenteil größtenteils verloren, in vermehrter und aus-
gestrahlter Körperwärme etc., und was von ihnen nutzbar bleibt,
ist die Düngfähigkeit der Exkremente. Die ökonomische Arbeit,
die ein Mensch vermittelst Aufwendung dieser 10000 WE leistet,
besteht vielmehr in der Fixierung, auf längere oder kürzere Zeit,
o von neuen, von der Sonne ihm zugestrahlten WE, die mit den
ersten 10000 WE nur diesen Arbeitszusammenhang haben. Ob
nun die durch Aufwendung der 10 000 WE der täglichen Nahrung
fixierten neuen WE 5000, 10000, 20 000 oder eine Million be-
tragen, das hängt allein von dem Entwicklungsgrad der Produk-
6 tionsmittel ab.
Rechnungsmäßig darstellen läßt sich dies auch nur an den pri-
mitivsten Produktionszweigen: Jagd, Fischerei, Viehzucht, Acker-
bau. Bei Jagd und Fischerei wird nicht einmal neue Sonnen-
energie fixiert, sondern nur bereits fixierte nutzbar gemacht, Da-
» bei ist es klar, daß — normale Ernährung des Betreffenden vor-
ausgesetzt, das Quantum Eiweiß und Fett, das er erjagt oder er-
fischt, unabhängig ist von dem Quantum dieser Stoffe. das er
verzehrt.
Bei der Viehzucht wird insofern Energie fixiert, als sonst rasch
2 verwelkende absterbende und sich zersetzende Pflanzenteile plan-
mäßig in tierisches Eiweiß, Fett, Haut, Knochen etc. verwandelt.
also länger fixiert werden. Die Berechnung wird hier schon ver-
wickelt. '
Noch mehr beim Ackerbau, wo der Energiewert der Hülfsstoffe,
% Dünger etc. ebenfalls mit in Rechnung kommt.
Bei der Industrie hört vollends alle Berechnung auf: die dem
Produkt hinzugefügte Arbeit läßt sich meist gar nicht mehr in
WE ausdrücken. Wenn dies z. B. bei einem Pfund Garn allenfalls
noch angeht, indem dessen Zähigkeit und Widerstandsfähigkeit
sich mit Ach und Krach noch in einer mechanischen Formel wie-
dergeben läßt, so erscheint es hier doch schon als reine nutzlose
Pedanterie und wird schon bei einem Stück Rohtuch, noch mehr
beim gebleichten, gefärbten, gedruckten, absurd. Der Energie-
wert, den Produktionskosten nach, eines Hammers, einer Schraube,
4“ einer Nähnadel ist eine unmögliche Größe.
Ökonomische Verhältnisse in physikalischen Maßen aus-
drücken zu wollen, ist meiner Ansicht nach rein unmöglich.
Was Podlolinski] total vergessen hat, ist, daß der arbeitende
Mensch nicht nur ein fixierter gegenwärtiger, sondern ein
% noch viel größerer Verschwender vergangner Sonnenwärme
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