Full text: Der Briefwechsel zwischen Marx und Engels 1868-1883 / [hrsg. von D. Rjazanov] (Abt. 3, Briefwechsel, Bd. 4)

VII. Die Entstehung des modernen Kapitalismus. 463 
weisen unternommen, daß die Wirtschaften der mittelalterlichen 
Kaufleute doch größer gewesen seien, und daß es an echten Groß- 
händlern nicht gefehlt habe; wiewohl er an den von mir gezoge- 
nen Grundstrichen kaum etwas auszuseßen hat. So scharfsinnig 
aber seine Untersuchung ist und so viel Licht sie über verschiedene 
Fragen verbreitet, so scheint sie mir jenes Ziel doch nicht erreicht 
zu haben. Den Hauptdifferenzpunkt zwischen ihm und mir bildet 
die Interpretation des Augsburger Stadtrechts von 127 6, nach 
welchem Bürger, die keinen Anteil am Kleinhandel hatten, Waren 
nach Augsburg gebracht haben. Sie Fetten diese im großen ab. 
Aber es fragt sich, ob sie deshalb als Großhändler schlechthin be- 
zeichnet werden dürfen. Das Kriterium würde – wie Keutgen 
richtig bemerkt ~ sein: ob sie regelmäßig einen Importhandel 
im großen trieben. Gerade dies aber würde noch zu beweisen 
sein. Es könnte sich auch so verhalten, daß jene Bürger nur 
gelegentlich derartige Reisen machen. Jemand, der nur tempo- 
rär sich am Großhandel beteiligt, hat noch nicht Anspruch auf den 
Namen Großhändler. Über diese Dinge geben die Augsburger 
Nachrichten keine genügende Auskunft!); wir müssen darüber ein 
1) Es sei noch auf die Gewandschneiderurkunden bei Bodemann, 
Die älteren Zunfturkunden der Stadt Lüneburg S. 75 f. hingewiesen. 
Die dort genannten Englandfahrer wollen durchaus in Lüneburg 
Kleinhandel treiben. Nur durch städtisches Privileg können sich die 
Gewandschneider dagegen wehren. Also — und das ist die Haupt- 
sache — freiwillige Beschränkung auf den Großhandel ist bei den 
Englandfahrern nicht vorhanden. Es zeigt sich auch hier das für das 
Mittelalter so charakteristische Bestreben der Kaufleute, vor allem 
am Kleinhandel Anteil zu erhalten. Ferner wissen wir aus andern 
Quellen, daß die deutschen Kaufleute, die nach England kamen, da- 
selbst den Kleinhandel erstrebten. So wird es auch mit den Lüneburger 
Englandfahrern gewesen sein. Wenn man die Frage aufwirft, aus 
welchen Kreisen sich die letteren rekrutieren, so wissen wir schon 
(s. oben S. 340), daß bei den Kauffahrergilden ganz und gar nicht an 
Gessellschaften von reinen Großhändlern zu denken ist. Ohne Zweifel 
beweisen jene Urkunden, daß keineswegs bloß die Gewandschneider 
den Tuchimport besorgten. In dieser Hinsicht kann Keutgen sie gegen 
mich verwerten (obwohl ich ja auch nicht behaupte, daß nur die Ge- 
wandschneider Tuch importieren). Anderseits beweisen sie nicht, 
daß die Gewandschneider am Tuchimport keinen Anteil hatten. 
V
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.