2lì II- Das Deutsche Reich u. die Social-Demokratie.
rismus." (Volksstaat 1874, 49.) Motteler hätte sich kürzer
fassen und einfach sagen können, wir sind Gegner des Reichs,
weil es kein socialistischer „Volksstaat" ist, und weil seine
Macht die Aussicht zur Gründung eines solchen auch auf
lange Zeit hinaus benimmt. Die Bekämpfung einzelner
Einrichtungen begründet allerdings noch nicht den Vorwurf
der „Reichsfeindlichkeit." Dann wären alle Reichsbürger
auch Reichsfeinde; denn wir kennen keinen, der i,icht mehr
oder weniger zu irgend einer Einrichtung des Reichs in
Opposition stünde. Diese Opposition tastet den Bestand des
Reiches selbst nicht an; sondern will nur eine Weiterent
wickelung desselben durch Besserung seiner Institutionen be
wirken. Wir erklären es für eine politische Heuchelei, wenn
die Social-Demokratie ihre „Reichsfeindlichkeit" auf diese
Weise zu definire» und zu begründen sich bemüht. Richt
eine Weiterentwickelung seiner Institutionen innerhalb des
gezogenen Rahmens liegt im Interesse der Social-Demokratie,
sondern die Vernichtung desselben, um aus seinen Trümmern
den socialistischen „Volksstaat" erstehen zll lassen. Oder sind
etwa nur einzelne Einrichtungen und nicht das Reich selbst
gemeint, wenn die Social-Demokratie für dasselbe, so oft
sie in ihren Blättern von demselben redet, nur Hohn und
Spott hat? Wenn bei ihr „das Reich der Gottesfurcht und
frommen Sitte"») der stereotype hämische Ausdruck ist?
Wenn sie das in der Brust eines jeden guten Deutschen
endlich erwachte Selbstgefühl und die Freude an der Ruhmes-
und Ehrengeschichte des theuren deutschen Vaterlandes durch
weg als „Procentpatriotismus"»») und die Männer, welche
aus Vaterlandsliebe Gut lind Blut geopfert haben, und
*) Bolksstaat 1871: 72; 1872: 11, 16, 48, 50 u. v. a.
'*) Bolksstaat 1871: 74, 79; 1875: 18 u. v. a.