32
Gesamtübersicht.
Die Produktion an Textilwaren.
Die Produktions- bzw. die Erzeugungswerte der einzelnen Industrien
wurden bisher allgemein durch amtliche Erhebungen festgestellt. Solche wurden
in Deutschland betreffend die Baumwollspinnereien zuletzt im Jahre 1909, be
treffend die Wollspinnereien zuletzt im Jahre 1907, und für die übrige Textil
industrie später vorgenommen. Sie sind im Abschnitt Deutschland: Betriebe
und Erzeugung ausführlich wiedergegeben.
In Amerika erfolgt die Produktionsaufnahme alle fünf Jahre, in den anderen
Staaten von Zeit zu Zeit.
In mancher Beziehung bieten diese Erhebungen sehr gute Unterlagen. So
sind die letzten amtlichen Erhebungen in Deutschland über die Produktion der
Textilindustrie besonders wertvoll, weil bei diesen das Hauptgewicht darauf
gelegt wurde, genauere Unterlagen für die Ausbeute bei den einzelnen Operationen
zu erlangen. Die allgemeinen Produktionserhebungen jedoch, und die allgemeinen
Angaben über die Produktionswerte, sind mehr oder weniger wertlos, weil die
Befragten selbst in den meisten Fällen nicht in der Lage sind, die richtigen
Werte zu bestimmen.
LIierzu kommen noch die große Arbeit und Kosten, die solche Erhebungen
verursachen, und der Umstand, daß die Veröffentlichung der Ergebnisse erst
zu einem Zeitpunkt erfolgen kann, wo diese bereits durch neue Tatsachen über
holt sind.
Im Buche des Verfassers: „Die Textilindustrie Deutschlands im Welthandel“
wurde bereits ein Versuch gemacht, die Produktion der Textilindustrie auf Grund
der vorliegenden Ein- und Ausfuhrmengen zu bestimmen. Diese Methode wurde
inzwischen weiter ausgebildet und die in dieser Arbeit wiedergegebenen Er
gebnisse eröffnen die Aussicht auf einen neuen gangbaren Weg zur Berechnung
der Produktion der einzelnen Industrien in'den verschiedenen Ländern.
Der dabei vorwaltende und auch naheliegende Grundgedanke ist, daß eine
bestimmte Menge Rohstoff in allen Ländern annähernd die gleiche Menge Fertig
waren ergeben muß, die nur noch durch Berücksichtigung der Menge der Ab
fälle und der Einflüsse der Appreturen zu ergänzen ist.
Dem Umstand, daß der Produktionswert nicht nur von der Menge, sondern
auch von den Eigenschaften der hergestellten Waren abhängig ist, wird dadurch
Rechnung getragen, daß die ausgeführten Waren entsprechend ihrem verschie
denen Ausfuhrwert zur Verrechnung gelangen.
An Hand eines Beispiels kann dies vielleicht klarer veranschaulicht werden:
100 t lose Baumwolle in Deutschland, England oder der Schweiz verarbeitet,
ergeben — abgesehen von den bereits erwähnten Abfall- und Appreturkorrekturen —
überall 100 t Fertigwaren.
Die Wertunterschiede der Fertigwaren in diesen drei Ländern, die ent
sprechend der Verschiedenheit der Produktion sehr bedeutend sind, kommen dann