îluS dem Leben Ferdinand Lafsakle'4. ggy
tischen Horizont blinkt. Dazu der noch viel größere Aerger,
zu wissen, wie glänzend die Dinge stehen würden, wenn
der Arbeiterstand seine Pflicht gethan hätte! Wir dürfen
uns nicht verhehlen, daß wir uns Alle zusammen über das
geistige Leben im Arbeiterstande sehr getäuscht haben: der
Allg. deutsche Arbeiter-Berein zählt erst circa 3000 Mitglieder
und vielleicht fehlen noch mehrere Hundert zu dieser
Zahl das sagt Alles. Wer hätte diese Mattheit und
Theilnahmlosigkeit für möglich halten sollen? Das wird sich
erst wirklich ändern, wenn gewisse politische Ereignisse eintreten
und die Massen in Bewegung bringen. Und solche Ereig-
niffe können allerdings in einiger Zeit kommen. Es handelt
sich darum, sich bis dahin zu halten!" So schildert Lafsalle
selbst den Erfolg seiner aufreibenden Thätigkeit im ersten und
auch einzigen Jahre seiner Diktatur. Enttäuschung über
Enttäuschung, die er nicht gut überwinden konnte, da hierdurch
seine Eitelkeit wie seine Herrschsucht schwer verletzt waren.
Selbst sein von ihm testamentarisch eingesetzter Amtsnachfolger,
Bernhard Becker, kann nicht umhin, diese Schatten im Cha-
rakter Lassalle's offen anzuerkennen. Er schreibt: „Lafsalle
hatte große Schwächen und tiefgehende Leidenschaften. Seine
mädchenhafte Eitelkeit, verknüpft mit dem Umstande, daß er
der fadesten Schmeichelei zugänglich war; sein bis zum un
beugsamen Eigensinn gesteigertes herrisches Wesen, welches
sich mitunter dem klar vorliegenden Besseren verschloß; seine
Genußsucht in Beziehung aus Frauen, die ihn Alles ver-
gessin und ihm seine Jahresrente von mehr als 5000 Thlr.
nicht hinreichend erscheinen ließ; endlich sein Haschen nach
der Beistimmung von Autoritäten — — — das waren
verwundbare Stellen an dem sonst so gut gewappneten
Manne."
Die Jahresrente von 5000 Thlr. reichte also für Lasialle
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