Full text: Das Baugewerbe in der Volks-, Berufs- und Betriebszählung von 1925

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auftreten. Der Einfluß der Kinderzahl macht sich dagegen haupt- 
sächlich in dem Bedarf an größeren oder kleineren Wohnungen gel- 
tend. Es wird daher auch der Altersaufbau der Bevölkerung beachtet 
werden müssen, zumal die Zahl der vorhandenen Menschen ja nicht 
nur die Größe der Nachfrage bestimmt, sondern auch den Nach- 
wuchs der im Baugewerbe beschäftigten Personen beeinflußt. 
Außer dieser inneren Struktur der Bevölkerung kommt auch 
ihre Verteilung nach Stadt und Land in Betracht; denn der Bedarf 
an Bauten aller Art, an Wohnhäusern, Wirtschaftsgebäuden, Fabriken, 
Straßen, Kanälen, Eisenbahnen usw. ist in stärkstem Maße von der 
Siedlungsweise der Bevölkerung abhängig. Ein Landvolk mit vor- 
wiegend agrarischen Erwerbsquellen hat einen Bedarf an Bauten, 
der wesentlich anders geartet ist als der eines Stadtvolkes mit aus- 
gedehnter Industrie. Die Verteilung der Bevölkerung nach Stadt 
und Land ist aber das Spiegelbild der wirtschaftlichen Entwicklung 
eines Volkes. Neben der beruflichen und sozialen Schichtung der 
Bevölkerung, die auf die Gestaltung der Lebensgewohnheiten und 
damit auch auf den Bedarf an Bauten von Einfluß ist, werden auch 
die großen Linien der Industrie- und Verkehrsentwicklung mit ihren 
Rückwirkungen auf den Baumarkt Berücksichtigung finden müssen. 
1.Bevölkerungswachstumim19. und 20. Jahrhundert. 
Die zukünftige Bevölkerungsentwicklung. 
Die Bevölkerung auf dem Gebiete des späteren Deutschen 
Reiches zählte nach Abschluß der napoleonischen Kriege, also vor 
etwa 110 Jahren, 24,8 Millionen Menschen; sie war bis zum Jahre der 
Reichsgründung 1871 auf 41 Millionen angewachsen. Um die Jahr- 
hundertwende waren 56 Millionen bereits überschritten, und 10 Jahre 
später, bei der letzten, vor dem Kriege durchgeführten Volkszählung, 
waren 65 Millionen Einwohner erreicht. Auf dem heutigen, ver- 
kleinerten Reichsgebiet lebten im Jahre 1910 rund 57,8 Millionen 
Menschen. Trotz des Krieges und seiner schwerwiegenden Folgen 
für die Bevölkerungsentwicklung wurde bei der Volkszählung 
im Jahre 1925 eine Volkszahl von 621 Millionen festgestellt. Der 
große Geburtenausfall der Kriegsjahre und der bereits vor dem 
Kriege einsetzende Geburtenrückgang, der sich in den Nachkriegs- 
jahren erheblich verstärkt hat — die Geburtenhäufigkeit im Durch- 
schnitt aller deutschen Großstädte liegt heute unter der von Paris 
und London —, haben dabei das innere Gefüge der Bevölkerung
	        
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